Im Kanton Zürich wird den Untersuchungshäftlingen das Telefonieren mit der Familie, Angehörigen oder Freunden nicht erlaubt. In anderen Kantonen ist das aber möglich. Es bleibt einem deshalb im Kanton Zürich keine andere Wahl, als auf eine Besuchsbewilligung zu hoffen und/oder Briefe zu schreiben. Aber: Briefe wie auch Gefängnisbesuche werden durch die Staatsanwaltschaft kontrolliert! Der Gegner bekommt also ganz genau mit, wie es dem Inhaftierten geht, ob er bspw. Probleme mit seiner Ehefrau hat und wie er von seinem eigenen Anwalt spricht. Das kann natürlich für den Staatsanwalt ein nutzbringender Informationsvorteil sein. Kurzum: Es wird dem Inhaftierten keinerlei Privatsphäre zugestanden. Auf Frage von Sandra erklärt Duri Bonin schliesslich, weshalb ein guter Strafverteidiger nie einen Kassiber aus dem Gefängnis schmuggeln wird.
3 Oct 2020
Kann ich jemanden in Untersuchungshaft besuchen?
Für einen Besuch in Untersuchungshaft braucht man eine Besuchsbewilligung von der fallführenden Staatsanwaltschaft. Diese hat dabei sehr viel Ermessen, ob sie einen Besuch bewilligt oder nicht. Man trifft da nicht immer auf behördliches Augenmass. Bekommt man eine Besuchsbewilligung, muss man mit dem Gefängnis einen Termin vereinbaren. Leider bestehen dabei oftmals lange Wartezeiten, auch sind die Besuche pro Häftling limitiert. Zu empfehlen ist deshalb, dass man sich danach erkundigt, ob man Kleider, Geld und ein Fresspäckli (Red Bull, Coca Cola, Pringles, Erdnüsse, Popcorn, Gutzli, Zigis, etc.) bringen oder schicken darf. Da ein Fresspäckli unverständlicherweise nur alle 2 Monate zulässig ist, sollte man die Fresspäckli-Monate auf keinen Fall verpassen!
22 Sept 2020
Wie komme ich als Angehöriger eines Inhaftierten zu Informationen?
Nahestehende Personen (Ehefrau, Kinder, Eltern, etc.) werden von den Strafverfolgungsbehörden höchstens darüber informiert, dass ein Angehöriger verhaftet worden ist. Wenn man mehr erfahren möchte, wendet man sich am besten an den Anwalt des Inhaftierten. Weil der Anwalt kann sich von seinem Mandanten vom Anwaltsgeheimnis entbinden lassen und so im Rahmen des zulässigen die Angehörigen informieren.
16 Sept 2020
Habe ich als normaler Zeuge Anspruch auf Einsicht in die Strafakten?
Nein, als normaler Zeuge hat man keinen Anspruch auf Akteneinsicht. Dies liegt daran, dass die Strafuntersuchung geheim ist. Anders verhält es sich, wenn der Zeuge zugleich Geschädigter ist und sich im Strafverfahren als Privat- und/oder Strafkläger konstituiert hat.
13 Sept 2020
Darf ich als Zeuge eine Begleitperson zur Einvernahme mitnehmen?
Das Untersuchungsverfahren ist geheim. Deshalb darf der Zeuge keine Begleitperson mitnehmen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn der Zeuge gleichzeitig Opfer eines Delikts gegen die körperliche, sexuelle oder psychische Integrität geworden ist.
10 Sept 2020
Muss ich als Zeuge die Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten?
Für Zeugen besteht grundsätzlich eine Aussagepflicht, diese müssen daher die Fragen der Staatsanwaltschaft unter Strafandrohung wahrheitsgemäss beantworten. Nur wenn der Zeuge in einer nahen Beziehung zur beschuldigten Person steht, kann dieser die Aussage verweigern. Selbiges gilt, wenn ein Berufsgeheimnis besteht. Bspw. die Ehefrau, der Lebenspartner, der Schwager, der Anwalt oder der Arzt sind nicht zu Aussagen verpflichtet. Die Staatsanwaltschaft klärt zu Beginn der Einvernahme immer ab, ob ein Zeugnisverweigerungsrecht besteht (mit Fragen über die Beziehung des Zeugen zur beschuldigten Person) und teilt dies dem Zeugen gegebenenfalls mit.
8 Sept 2020
Bekomme ich als Zeuge eine Entschädigung?
Man hat die Bürgerpflicht, wenn man als Zeuge vorgeladen wird, bei den Strafverfolgungsbehörden auch zu erscheinen. Die Auslagen für den Reiseweg erhält man hierbei entschädigt (Benzin, Zugticket). Selbständigerwerbende erhalten ebenfalls eine Entschädigung für den Arbeitsausfall. Bei Arbeitnehmern muss der Arbeitgeber den Lohn trotz Arbeitsausfall entrichten (Art. 324a OR).
1 Sept 2020
Bekomme ich als Opfer Einsicht in die Strafakten?
Sandra fragt sich, ob das Opfer einer Straftat ebenfalls ein Recht hat, die Strafakten einzusehen. Die Antwort ist ja, wobei der Zeitpunkt der Einsichtnahme vom Stand der Untersuchung abhängt. Wenn die Akteneinsicht zu früh gewährt wird, kann es sein, dass die Aussagen des Opfers dadurch entwertet werden.
18 Aug 2020
Habe ich als Opfer auch das Recht auf einen Anwalt?
Die geschädigte Person kann jederzeit einen Anwalt beiziehen. Je nach den konkreten Umständen wird dieser Anwalt vom Staat bezahlt, man nennt dieses Institut unentgeltlicher Rechtsbeistand. Am besten man lässt sich diesgezüglich von einem Anwalt wie Duri Bonin beraten.
11 Aug 2020
Wo und wie erstatte ich Strafanzeige?
Strafanzeige kann man an jedem Polizeiposten erstatten und zwar schriftlich oder mündlich. Allerdings ist beobachtbar, dass die Polizei die Anzeigeerstatter gerne abwimmelt. Duri Bonin empfiehlt deshalb, auf dem schriftlichen Weg direkt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten. Inhaltlich ist in der Anzeige der Tathergang zu beschreiben mit möglichst genauen Angaben von Ort, Zeit und Tatverdächtigen; auch sind nach Möglichkeit die Beweise zu nennen oder gar beizulegen. Weiter unterhalten sich Sandra und Duri darüber, ob in der Schweiz eine Anzeigepflicht gilt, ob eine Strafanzeige etwas kostet und worin der Unterschied zwischen Antrags- und Offizialdelikten besteht.
4 Aug 2020
5% der Strafverfahren enden vor dem Richter
Duri Bonin hat in der letzten Podcastfolge ausgeführt, 96% der Strafverfahren würden mittels Strafbefehl erledigt. Richtig müsste die Aussage lauten, dass 95% der Strafverfahren nicht in einem Gerichtsverfahren (Anklage, Gerichtsverhandlung, Urteil) erledigt werden, sondern durch die Staatsanwaltschaft mittels Einstellungen/Sistierungen (51%) oder Strafbefehle (44%). Was Deliktskategorien anbelangt, so sind Vermögensdelikte am häufigsten, gefolgt von Strassenverkehrsdelikten. Es gibt bspw. 6x mehr Vermögens- als Betäubungsmitteldelikte.
31 Jul 2020
Hinterfrag den Strafbefehl!
In der Schweiz werden rund 95% der Strafverfahren mit einem sogenannten Strafbefehl erledigt. Es ist von daher an der Zeit, dass sich Sandra und Duri Bonin dieser Form der Erledigung von Strafverfahren widmen: Was ist ein Strafbefehl genau? Wer kann wann einen solchen erlassen? Was kann man innert welcher Frist gegen einen Strafbefehl unternehmen? Etc.
28 Jul 2020
Soll ich vor der Akteneinsicht Aussagen tätigen?
Sandra und Duri Bonin unterhalten sich über das Recht, Einblick in die Untersuchunsgakten zu nehmen (Akteneinsichtsrecht). Dies führt sie zur Thematik, ob die beschuldigte Person Aussagen gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft tätigen soll, bevor sie die Vorwürfe im Detail kennt oder ob man sich klugerweise nicht vorerst auf das Aussageverweigerungsrecht berufen und die Akten studieren sollte.
21 Jul 2020
Wahlverteidigung, notwendige und amtliche Verteidigung – was bedeuten diese Begriffe?
Was ist eine Wahlstrafverteidigung? Was ist eine notwendige Verteidigung? Wann ist die Verteidigung eben notwendig und was bedeutet das für die Beweise? Was ist unter einer amtlichen Verteidigung zu verstehen? Was ist der Unterschied zwischen einer notwendigen und einer amtlichen Verteidigung? Weshalb sollte man sich vor einer Einvernahme beraten lassen? Diese und weitere Fragen besprechen Sandra und Duri Bonin in dieser Podcastfolge.
17 Jul 2020
Kann ich eine Vertrauensperson zur Einvernahme mitnehmen?
Ein Anwalt kann die beschuldigte Person jederzeit beiziehen; das ist immer möglich, sowohl bei der Polizei, wie auch der Staatsanwaltschaft oder vor Gericht. Wenn man einen Anwalt beizieht, ist dies gemäss Duri Bonin auch kein Zeichen von Schwäche oder Schuld: Für eine Operation zieht man ja auch einen Arzt bei und operiert sich nicht selber. Eine andere Person darf die beschuldigte Person in der Strafuntersuchung zur Begleitung zwar mitnehmen, diese wird aber während der Einvernahme vor der Türe warten müssen. Anders ist die Rechtslage zum Teil bei Opfern sowie Jugendlichen. Gerichtsverhandlungen sodann sind in der Regel öffentlich, da kann man sich also begleiten lassen.
10 Jul 2020
Soll ich zur Einvernahme etwas mitnehmen?
Soll man zur Einvernahme als beschuldigte Person bei der Staatsanwaltschaft oder Polizei etwas mitnehmen? Abgesehen von den Ausweispapieren rät Duri Bonin davon ab. Namentlich auch das Natel sollte man lieber Zuhause lassen. Wenn man die Vorwürfe dann genau kennt, kann man allfällige Entlastungsbeweise noch immer einreichen.
3 Jul 2020
Was bedeutet eine Vorladung als beschuldigte Person?
Sandra möchte von Duri Bonin wissen: Wenn man von der Staatsanwaltschaft eine Vorladung als beschuldigte Person erhält, was bedeutet dies? Es bedeutet erstens, dass ein Strafverfahren gegen einem eröffnet wurde und zweitens, dass der Staatsanwalt eine Einvernahme durchführen wird. Den Termin auf der Vorladung muss man wahrnehmen, es besteht eine Erscheinungspflicht. Wenn man einfach nicht erscheint, kann es sein, dass die Staatsanwaltschaft der Polizei den Auftrag erteilt, einem polizeiliche zuzuführen.
Host of Frag den Anwalt?
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