Die folgenden Beiträge von Elisabeth Voß, Shelley Sacks, Andreas Weber und Renate Börger sind Ermutigungen – auf den zweiten Blick. Sie machen Mut, sich mit dem zu verbinden, wovor wir intuitiv zurückschrecken. Angeregt zu dieser Übung hat uns das 2013 erschienene Buch »Die Rote Blume. Ästhetische Praxis in Zeiten des Wandels« der Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt und der transdisziplinären Künstlerin Shelley Sacks. Als »Tote Zonen« bezeichnen die beiden Autorinnen Situationen, in denen »der komplexe Horror unserer Zeit zutage tritt«. Dieser Horror, der uns täglich aus den Medien, auf jeder Straße und in jedem Supermarkt entgegenschlägt, legt sich in seiner Selbstverständlichkeit und Allgegenwart als kollektive Betäubung auf die gesamte Gesellschaft. »Indem wir uns sozusagen in das Phänomen hineindenken«, schreibt Hildegard Kurt, können wir »die Wahrnehmung ent-automatisieren. Und zu Erkenntnis kommt es dann in einer Art Dialog mit dem Phänomen selbst.« – Aus diesem Dialog kann Lebendigkeit entstehen.
Tote Zonen von Andreas Weber, Elisabeth Voß, Renate Börger, Shelley Sacks, gelesen von Anna von Gruenwaldt, Jana Gebauer und Thomas Meier, erschienen in Ausgabe #27/2014
24 Aug 2022
Drückerkaffee für die Kaffeebauern aus dem Urwald
Die Zapatistas verteidigen seit Jahrzehnten ihre subsistente Lebensweise im mexikanischen Chiapas. Vor 25 Jahren hatte Oya-Autorin Friederike Habermann sie im Lakandonischen Urwald besucht. Nun erzählt sie vom Gegenbesuch einer zapatistischen Delegation, die vergangenen Sommer verwandte Projekte in Europa bereiste.
Drückerkaffee für die Kaffeebauern aus dem Urwald von Friederike Habermann, gelesen von von Friederike Habermann, erschienen in Ausgabe #66/2021
17 Aug 2022
Essbar sein
Wir zivilisierten Menschen sind einem fatalen Irrtum aufgesessen, meint der Biologe und Philosoph Andreas Weber: Tagtäglich verdrängen wir den Umstand, dass wir sterblich und somit essbar sind. Wir versuchen, uns durch Monumente, Türme, die in den Himmel ragen, Satellitenketten und immer noch mehr Konsum zu verewigen, anstatt uns daran zu erinnern, dass wir in einem stofflichen Sinn immer schon unsterblich sind. Materie vergeht nicht, sondern wandelt unentwegt ihre Form, und Natur folgt nur einem Bedürfnis: tiefere Fruchtbarkeit in Gegenseitigkeit – als solche gelingt auch Kultur, und so wird Gemeinschaft lebendig.
Essbar sein von Andreas Weber, gelesen von Anna von Gruenewaldt, erschienen in Ausgabe #51/2018
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