Polizeiliches Handeln ist seit jeher eng mit politischen Entscheidungsprozessen, gesellschaftlichen Erwartungen und bestehenden Machtverhältnissen verwoben. "Fragen an die Polizeigeschichte" nimmt dieses Verhältnis von Polizei, Politik und Gesellschaft in den Blick und arbeitet dabei wie unter einem Brennglas: Eine Leitfrage und eine einzelne Quelle – ein Bild, ein Objekt oder ein prägnantes Zitat – dienen als Ausgangspunkt, um Schlüsselmomente sichtbar zu machen und aus ihnen heraus eine größere Geschichte zu erzählen.
"Fragen an die Polizeigeschichte" ist ein Projekt des Fachgebiets "Polizeigeschichte und Politische Bildung" der Deutschen Hochschule der Polizei.
Konzept, Redaktion und Texte: Gundula Gahlen, Doris Kock und Pauline van Moll.
Publisher
Fachgebiet "Polizeigeschichte und Politische Bildung", Deutsche Hochschule der Polizei
Schild, Schwert - und Polizei? Die Stasi und die Volkspolizei in der DDR
„Schild und Schwert der Partei“ – so verstand sich das Ministerium für Staatssicherheit selbst. Die Stasi steht bis heute wie kaum eine andere Institution für Überwachung, politische Verfolgung und Repression in der DDR. Doch was für eine Sicherheitsbehörde war sie eigentlich? Nachrichtendienst, Geheimpolizei, Strafverfolgungsbehörde – oder alles zugleich?
Ein Blick auf ihre Geschichte führt überraschenderweise zunächst zur Kriminalpolizei und zeigt, wie eng nachrichtendienstliche Informationsgewinnung und polizeiliche Befugnisse im Sicherheitsapparat der DDR miteinander verbunden waren.
Wir fragen deswegen:
• Wie entwickelte sich aus Strukturen der Kriminalpolizei das spätere Ministerium für Staatssicherheit?
• In welchem Verhältnis standen Stasi und Volkspolizei zueinander?
• Und warum werden Polizei und Nachrichtendienste in der Bundesrepublik heute grundsätzlich voneinander getrennt?
Klar wird: Die Geschichte der Stasi erzählt nicht nur von Überwachung und Repression. Sie zeigt auch, welche Macht entstehen kann, wenn geheime Informationsgewinnung und polizeiliche Eingriffsbefugnisse in einer Institution zusammenkommen – und wirft damit die Frage auf, wie staatliche Sicherheitsmacht organisiert und begrenzt werden sollte.
1 Jul 2026
Ferne Front, neue Polizei? Der "Korea-Effekt" in Deutschland
2026 können die Bereitschaftspolizeien und die Bundespolizei auf 75 Jahre Geschichte zurückblicken. Ihre Entstehung führt zurück in die frühen Jahre des Kalten Krieges – und zu einem Konflikt, der tausende Kilometer von Deutschland entfernt stattfand: dem Koreakrieg (1950-1953).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland bewusst entmilitarisiert. Doch nur wenige Jahre später entstanden mit Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz (1951) sowie der Kasernierten Volkspolizei (1952) erneut schwer bewaffnete und kasernierte Verbände.
Wir fragen deswegen:
Wieso beeinflusste gerade der Koreakrieg diesen sicherheitspolitischen Kurswechsel?
Wie veränderte er die Rolle von Polizei und Sicherheitskräften in Ost und West?
Und was sagt uns diese Geschichte über den Zusammenhang von Polizei, Politik und internationalen Konflikten bis heute?
Klar wird: Die Gründungsgeschichte von Bereitschaftspolizei und Bundespolizei lässt sich nicht allein mit Blick auf Deutschland erzählen. Der sogenannte „Korea-Effekt“ macht sichtbar, wie vermeintlich weit entfernte Konflikte die Aufgaben und Strukturen von Sicherheitsbehörden prägen können – damals wie heute.
1 Jun 2026
Strafbestand "homosexuell"? Die Polizei und der Paragraf 175
Heute schützt die Polizei selbstverständlich CSDs und begleitet Demonstrationen queerer Communities. Weit über ein Jahrhundert hinweg war sie jedoch Teil einer Verfolgungspraxis, die schwule Männer kriminalisierte, überwachte und aus dem öffentlichen Leben verdrängte.
Die Grundlage dafür bildete der §175, der seit 1871 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Besonders im Nationalsozialismus entwickelte sich daraus ein System systematischer Verfolgung durch Kriminalpolizei und Gestapo mit vielen Todesopfern.
Diese Folge fragt deshalb:
• Wie entwickelte sich die Verfolgung schwuler Männer durch Polizei und Strafrecht seit dem Kaiserreich?
• Was hat es mit dem auf der Spitze stehenden Dreieck, dem sogenannten „Rosa Winkel“, auf sich?
• Und wie wandelte sich die Rolle der Polizei vom Vollstrecker eines diskriminierenden Gesetzes hin zum heutigen Schutzauftrag?
Klar wird: Die lange Geschichte des §175 wirkt bis in die Gegenwart hinein und macht deutlich, warum der Schutz queerer Communities und ihrer Sichtbarkeit heute eine besondere Verantwortung professionellen polizeilichen Handelns darstellt.
1 May 2026
"Nie mehr bei der Polizei beschweren"? Der Fall Siegel 1933
„Nie mehr bei der Polizei beschweren“?
Im März 1933 sucht der jüdische Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel das Münchener Polizeipräsidium auf, um sich im Namen seines ebenfalls jüdischen Mandanten zu beschweren – und wird stattdessen von Polizeibeamten misshandelt und öffentlich gedemütigt.
Die Folge nimmt das berühmte Foto seines „Prangermarschs“ zum Ausgangspunkt und fragt:
Was erzählt uns diese Szene über die Gesellschaft in einer Zeit radikaler politischer Umbrüche?
Wie ist es möglich, dass eine solche Gewalt öffentlich stattfindet?
Und was zeigt der Fall über die Rolle der Polizei zu Beginn des Nationalsozialismus?
Deutlich wird: Der Fall Siegel macht sichtbar, wie schnell sich die Grenzen dessen verschieben können, was in einer Gesellschaft als legitim und rechtens gilt – und welchen Einfluss die Polizei darauf haben kann.
1 Apr 2026
Die Polizei - Deine Freundin und Helferin?
### Ist die Polizei eigentlich ein Männerberuf?
Viele würden heute antworten: Nicht mehr.
Frauen arbeiten inzwischen in Deutschland in allen Bereichen der Polizei. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: ihr Weg dorthin war alles andere als einfach.
Diese Folge zeichnet die bewegte Geschichte von Frauen in der Polizei seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts nach und fragt:
Wie prägten Geschlechtervorstellungen die ersten Einsatzbereiche für Frauen in der Polizeiarbeit?
Wie veränderte sich die Rolle von Polizistinnen in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und nach 1945?
Und was bedeutet diese Geschichte für Gleichberechtigung in der Polizei heute?
Klar wird: Die Integration von Frauen in die Polizei ist eine Geschichte von gesamtgesellschaftlichen und innerpolizeilichen Auseinandersetzungen und Widerständen – und von starken Frauen, die sich davon nicht haben aufhalten lassen.
1 Mar 2026
Umkämpfte Demokratie? Der Kapp-Putsch 1920
Anlässlich des 2026 erstmals begangenen Tages der Demokratiegeschichte richtet diese Folge den Blick auf den 18. März als Datum umkämpfter Demokratie in Deutschland. Der Tag erinnert an historische Momente, in denen die demokratische Ordnung nicht selbstverständlich war, sondern verteidigt oder neu erkämpft werden musste.
Im Mittelpunkt dieser Folge steht der Kapp-Putsch von 1920, ein Putschversuch rechtsgerichteter Militärs, Freikorps und ziviler Unterstützer gegen die noch junge Weimarer Demokratie, der erst durch einen reichsweiten Generalstreik der Zivilbevölkerung zum Scheitern gebracht wurde.
Wie kam es zu dem Putsch und welche politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen machten ihn möglich?
Wie verhielt sich die Polizei in dieser Situation – zwischen offenem Mitmachen, aktivem Widerstand und einem vielfach praktizierten Nicht-Einschreiten?
Und was bedeutete diese vermeintliche „Neutralität“ der Polizei in einem Moment, in dem die demokratische Ordnung selbst infrage stand?
Die Folge ordnet den Kapp-Putsch historisch ein und zeigt, wie staatliche Institutionen in demokratischen Krisen handeln – oder nicht handeln. Am Beispiel der Polizei wird deutlich, warum Neutralität nicht zwingend eine unpolitische Haltung ist und weshalb Fragen nach demokratischer Verantwortung bis heute relevant bleiben.
25 Feb 2026
Rassismus als Struktur? Der Tod von George Floyd
Was hat der Tod von George Floyd mit Polizeigeschichte zu tun? In dieser Folge blicken wir hinter das Ereignis von 2020 und ordnen den Fall historisch ein:
Warum wurde gerade der Fall George Floyd zu einem weltweiten Symbol?
Was sagt er aus über die lange Geschichte von Polizei und strukturellem Rassismus in den USA?
Und warum ist dieser Fall auch in Deutschland für Debatten über Racial Profiling, Vertrauen in die Polizei und demokratische Verantwortung relevant?
Wir zeichnen zentrale Linien von den Slave Patrols über die Jim-Crow-Ära bis in die Gegenwart nach und zeigen institutionelle Routinen, Deutungsmuster und Machtverhältnisse auf, die über Generationen hinweg fortwirken.
25 Feb 2026
Seite an Seite? Polizei und SS
Dieses Foto aus dem Jahr 1933 zeigt einen Schutzpolizisten und einen SS-Mann nebeneinander – ein Bild, das mehr ist als ein Zufallsmoment. Es markiert den Beginn eines Prozesses, in dem Polizei und SS Schritt für Schritt immer enger miteinander verschmelzen.
Welche Botschaft sollte dieses gemeinsame Auftreten 1933 vermitteln?
Wie veränderte sich die Polizei, als politische Milizen an ihrer Seite auftraten – und nach und nach Einfluss auf ihre Strukturen gewannen?
Wann wurde aus einem Nebeneinander eine gezielte organisatorische Verschmelzung?
Und was offenbart dieser Prozess darüber, wie staatliche Gewalt im Nationalsozialismus aufgebaut, legitimiert und genutzt wurde?
Diese Folge untersucht, wie aus zwei getrennten Akteuren ein politisch gesteuerter Sicherheitsapparat entstand – und wie die Polizei dadurch ihre Bindung an rechtsstaatliche Prinzipien verlor und zu einem Werkzeug nationalsozialistischer Gewalt wurde.
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