GesundheitsProfi auf die Ohren! Sanitätshäuser und orthopädietechnische Betriebe gehören zu den zentralen Bausteinen einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung – in der Akutversorgung nach einem Unfall, im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt, als lebenslange Versorgungspartner der Patient:innen oder in der Prävention.
Wir, das sind Chefredakteur Tobias Kurtz und Redakteurin Laura Klesper, sprechen über alles, was die Sanitätshausbranche und die medizinische Hilfsmittelindustrie bewegt. Von innovativen Versorgungslösungen in der Orthopädie- und Rehatechnik über betriebswirtschaftliche Fragen bis zu regulativen Herausforderungen: GesundheitsProfi holt die relevanten Fachleute ans Mikrofon.
Wo liegen die Chancen einer aktiven Fehlerkultur, Ralf Kemmer?
Fehler passieren – auch im Gesundheitswesen. Doch wie kann eine Fehlerkultur in Betrieben der Hilfsmittelversorgung etabliert werden? Professor Ralf Kemmer von den SRH Hochschulen Berlin gibt im Podcast-Gespräch mit GesundheitsProfi einen Einblick in seine Arbeit mit Unternehmen und erklärt, warum Offenheit in Führungsetagen entscheidend ist.
„Menschen machen in der Regel keine Fehler mit Absicht“, sagt Ralf Kemmer. Der Hochschulprofessor begleitet mit seinem Team seit über zehn Jahren Unternehmen bei der Entwicklung einer konstruktiven Fehlerkultur.
Kern seiner Arbeit ist die Moderation sogenannter Fuck-up-Nights, bei denen Unternehmer ihre beruflichen Fehlentscheidungen öffentlich reflektieren. Dabei gehe es nicht darum, Fehler zu feiern, sondern aus ihnen zu lernen: „Ein Fehler ist erstmal Mist. Aber es gibt die Möglichkeit, daraus Erkenntnisse zu gewinnen – für sich selbst, für das Team, für das Unternehmen.“
Kemmer betont, dass eine funktionierende Fehlerkultur kein Selbstläufer sei, sondern strukturell verankert werden müsse. „Das muss von oben kommen“, sagt er. Führungskräfte müssten offen über eigene Fehler sprechen und den Umgang mit Fehlentscheidungen aktiv vorleben. Nur dann entstehe ein Klima, in dem Mitarbeitende sich trauen, Probleme frühzeitig zu benennen.
6 Oct 2025
Wie blicken Sie auf die Hilfsmittelversorgung von Kindern, Christiana Hennemann?
Die Fördergemeinschaft Rehakind blickt auf ein Vierteljahrhundert Einsatz für eine bessere Hilfsmittelversorgung von Kindern und Jugendlichen zurück. Geschäftsführerin Christiana Hennemann zieht im GP-Podcast mit GP-Chefredakteur Tobias Kurtz Bilanz und blickt in die Zukunft.
Was im Jahr 2000 aus einem akuten Mangel an Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung entstanden ist, hat sich seither zu einer europaweit einzigartigen Plattform zwischen Fachhandel, Industrie, Medizin, Politik und Elterninitiativen entwickelt.
„Wir müssen den Familien eine Stimme geben. Wir müssen auch diesem Teil der Branche eine Stimme geben“, beschreibt Christiana Hennemann die Gründungsidee. Aus einem anfänglichen Ehrenamt wurde für die gelernte Journalistin bald ein zweites Berufsleben. Heute zählt der Verein mehr als 215 Mitglieder – darunter Hersteller, Sanitätshäuser, Selbsthilfegruppen und Freiberufler.
Die zunehmende Heterogenität der Mitgliederstruktur ist für Hennemann eine Herausforderung – aber auch ein klares Zeichen für die Relevanz des Themas. „Was uns eint, ist das Ziel, es wirklich besser zu machen – und dabei für die Branche auskömmlich zu halten.“
Dass Rehakind heute als etablierter Gesprächspartner in Politik und Selbstverwaltung wahrgenommen wird, verdankt sich auch dem langjährigen Engagement in der politischen Arbeit. Ein aktuelles Beispiel ist die gesetzlich verankerte beschleunigte Genehmigung von Hilfsmittelverordnungen aus SPZ und MZEB – ein Erfolg, der allerdings in der Praxis noch nicht flächendeckend ankommt. „Das Thema ist noch nicht vom Tisch“, so Hennemann.
Um die Versorgungsqualität weiter zu verbessern, setzt Rehakind zunehmend auf internationale Studien. In einer neuen Datenbank werden wissenschaftliche Erkenntnisse aus Ländern wie Kanada, Australien und Skandinavien aufbereitet – mit dem Ziel, präventive und teilhabeorientierte Versorgungskorridore auch hierzulande besser belegen zu können. „Gerade in der Kinderversorgung ist der Blick auf die gesamte Lebensspanne entscheidend“, betont Hennemann.
Ein weiteres zentrales Standbein ist die Qualifizierung. Mit rund 900 Teilnehmenden pro Jahr bietet Rehakind ein breites Schulungsspektrum – von technischen Grundlagen bis hin zu rechtlichen Fragestellungen. Auch der Bedarfsermittlungsbogen mit ICF-Bezug, einst kritisch beäugt, findet heute verstärkt Eingang in die Verordnungspraxis.
Die nächsten Schritte sind bereits in Planung: Der Focus CP RehaKIND-Kongress 2026 soll unter dem Leitmotiv „Evidenz – Individualität – Praxis“ neue Impulse setzen. Erstmals wird es auch gezielte Angebote für Familien und Schulklassen geben – mit dem Ziel, den Fachkräftenachwuchs für die Kinderversorgung zu begeistern.
Für Hennemann ist klar: „Die Aufgaben verschieben sich, aber sie werden nicht weniger. rehaKIND bleibt notwendig – als Brückenbauer zwischen Profession und Mensch.“
15 Sept 2025
Wie funktioniert digitale Einarbeitung wirklich, Julien Kensicki und Thomas Möller?
Doch wie gelingt die wirtschaftlich erfolgreiche Einarbeitung, wenn neue Kollegen keine Vorerfahrung in der Branche haben und in kurzer Zeit viel Wissen vermittelt werden muss? Das klärt GP-Redakteurin Laura Klesper in der neuen Folge des GesundheitsProfi-Podcasts mit zwei spannenden Gästen. Julien Kensicki, Gründer der Sanistar Akademie und Thomas Möller, Geschäftsführer des Sanitätshauses Stolle diskutieren gemeinsam über die Auswirkung, die die digitale Einarbeitung auf Unternehmen hat. Wie kann digitale Einarbeitung erfolgreich gelingen? Wie werden neue Kollegen gezielt geschult und erfahrende Mitarbeitende trotzdem mitgenommen? Und wie viel kann ein Unternehmen eigentlich wirklich dadurch einsparen, dass die neuen Kollegen schnell fit auf der Fläche sind? Solche und weitere Fragen werden in der neuen Folge rund um das Thema digitale Einarbeitung geklärt. Dabei bietet der Podcast wertvolle Insights aus dem Sanitätshaus Stolle, dass nun seit einigen Jahren erfolgreich auf digitale Einarbeitung setzt.
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