Kassenzone.de analysiert E-Commerce Strategien und Geschäftsmodelle. Wöchentlich sprechen Gründer und CEOs von Händlern, Marken und Herstellern über ihr Geschäftsmodell und die eigene E-Commerce Strategie. Die Gäste werden befragt Karo Junker de Neui, Geschäftsführerin von Etribes und
von Alexander Graf, Geschäftsführer & Gründer von Spryker Systems.
Shein ohne Zoll-Trick: "Die wären bei maximal 5% Marktanteil" (K#665)
Tarek Müller (AboutYou) hat mich in den letzten Wochen mehrfach angepingt: unsere Einschätzung zu Shein sei zu positiv. Nach dem Börsengang (Kurs eine Woche später schon 10% im Minus) habe ich ihn eingeladen, um das auszudiskutieren.
Seine Kernthese: Der Erfolg von Shein, Temu und Alibaba beruht eben nicht nur auf Innovation, sondern zu einem erheblichen Teil auf Kostenvorteilen, die wir als Europäer selbst finanziert haben. Rund 20% Marktanteil im europäischen Online-Modemarkt, etwa 20 Mrd. Euro Volumen, aufgebaut in sechs, sieben Jahren, flankiert von rund 3 Mrd. Euro nicht erhobener Zollgebühren pro Jahr.
Wir rechnen durch, was das konkret bedeutet: Bei 75-80% Direktversand aus China und 15% Zollsatz hätte Shein nicht bei +4% EBIT operiert, sondern bei -6%. Damit fällt die Fähigkeit weg, Investorengeld einzusammeln, Marketing zu finanzieren, Volumen und damit Einkaufspreise und Skaleneffekte aufzubauen. Tareks Hypothese: mit Level Playing Field von Anfang an wären die China-Modelle bei maximal 5% Marktanteil gelandet.
Außerdem: warum Factory-to-Consumer ohne Zollumgehung ökonomisch nicht funktioniert und warum AboutYou das Modell zwar gebaut, aber bewusst nicht skaliert hat. Warum Temus Umschwenken auf europäische Händler den Preisvorteil auflöst. Warum die E-Commerce-Branche das Thema politisch sechs Jahre lang verschlafen hat.
Im zweiten Teil wird es grundsätzlich: Ist Online überhaupt noch ein gutes Geschäftsmodell? Inditex mit 19-20% EBIT-Marge gegen Zalando mit 5% – aber 5 Mio. Euro CapEx pro Zara-Store gegen drei Klicks für ein neues Land. Wir streiten über meine These, dass es im E-Commerce keinen "Arztberuf" mehr gibt, über Googles Auktionsmechanik als binäres Spiel, über gestapelte Plattformökonomien und darüber, was ich meinem Sohn fürs Wirtschaftspraktikum empfehlen soll.
Tareks Prognose zum Schluss: Shein und Temu werden in Kontinentaleuropa in den nächsten fünf bis sieben Jahren schleichend schrumpfen (anteilig), inflationsbereinigt etwa um die Hälfte. Und: Der China-Druck hat die europäischen Player effizienter gemacht, als sie es ohne ihn je geworden wären.
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10 Sept 2026
Walmart will mit europäischen Händlern wachsen (K#664)
Warum war Walmart eigentlich bei der großen Kassenzone Party vor der OMR dabei? Dieser Podcast verrät es:
Andrew Newton verantwortet von London aus Walmarts europäisches Marketplace-Geschäft. Das Büro gibt es seit rund einem Jahr – mit einem klaren Ziel: europäische, vor allem deutsche Marken für den Cross-Border-Verkauf in die USA, nach Mexiko, Kanada und Chile zu gewinnen.
Wichtigster Punkt zur Einordnung: Es geht ausdrücklich nicht um Walmart-Filialen in Deutschland. Es geht um lokale Beziehungen zu Händlern und Marken. Ein Team vor Ort löst laut Newton die Probleme, an denen Remote-Betreuung scheitert – Sprache, Kultur, Zeitzonen. Aufgebaut wurden bisher Business Development, Account Management, Marketing, Events sowie Services wie Walmart Fulfillment.
Newton räumt außerdem mit der Wahrnehmung auf, Walmart sei ein reiner Stationärhändler. Sein Framing: ein Retail-Ökosystem aus Filialen, Supply Chain, E-Commerce, Marketplace, Walmart Plus und Walmart Connect. Beispiele: Abholung und Retouren in der Filiale, vorgelagerte Bestände für schnellere Lieferung, Kombination aus Produktverkauf und Service wie Reifenmontage.
Warum europäische Marken? Kunden in Nord- und Südamerika schätzen Qualität und Herkunft. Walmart sucht nachgefragtes Sortiment statt billiger Commodity-Ware. Als Beispiel nennt Newton Lavazza, das den Marketplace nutzt, um die eigene Markengeschichte zu erzählen und ein breiteres Sortiment anzubieten. Scheint zu funktionieren!
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3 Sept 2026
Bootstrapped auf 70 Mio. Euro Umsatz: Die Wachstumsstrategie von Purelei (K#663)
Offline-Stores, TikTok Shop, KI-Content und Community-Building: Der E-Commerce fordert D2C-Marken immer wieder neu heraus. In dieser Folge spricht Karo mit Alisa Jahnke, Mitgründerin und CEO der Schmuckmarke Purelei, über den Weg von der ersten 500-Euro-Investition zu einem E-Commerce-Unternehmen mit knapp 70 Millionen Euro Jahresumsatz.
Wie hat Purelei den Wandel von reinem Social-Media-Marketing hin zu eigenen Offline-Stores in München, Köln und Palma gemeistert? Welche Rolle spielen die eigene App und das etablierte Subscription-Modell für die langfristige Kundenbindung? Und warum sorgte die erste Live-Shopping-Session auf TikTok Shop bei Purelei für Ernüchterung?
Alisa teilt außerdem ihre praktischen Erfahrungen mit KI in der Content-Produktion, verrät die Internationalisierungspläne für die kommenden Jahre und erklärt, warum der direkte Kontakt zur Community und ein strategischer Markenaufbau für Purelei unverzichtbar bleiben.
Das Gespräch im Überblick:
(1:30) 10 Jahre Purelei: Von 500 Euro zu 70 Mio. Umsatz
(9:58) Vom Social-Media-Marketing zum eigenen Offline-Store
(18:46) App, Loyalty-Programm & Subscription-Modell
(28:57) Ernüchterung beim TikTok Live-Shopping
(31:36) KI-Einsatz in der Content-Produktion
(36:53) Internationalisierung & Zukunftspläne
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Who has been a guest on Kassenzone | CEO Interviews
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Florian Heinemann
Erik Reintjes
Tarek Müller
Louise
Tina Müller
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Pitching Kassenzone | CEO Interviews
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