Im Souterrain einer idyllischen Kärntner Villa flackern Kerzen vor Dutzenden Engelsfiguren: Was auf den ersten Blick wie harmlos-sanfte Esoterik wirkt, entpuppt sich als eines der skrupellosesten Verbrechen Kärntens. Als selbsternannte Humanenergetikerin baut Margit T. ein System aus gezielter Manipulation, psychischer Isolation, gefälschten Flüchen und angeblich göttlichen SMS-Befehlen auf. Zusammen mit zwei hörigen Komplizinnen ergaunert sie ein Millionenvermögen, schreckt vor Giftmordversuchen und Serienbrandstiftung nicht zurück – bis der gewaltsame Tod einer 72-jährigen Witwe das Schreckensregime entlarvt.
19 Sept 2026
#123 Maria Tarnowska: Die dämonische Gräfin des Todes
Am 3. September 1907 erschießt der russische Student Nikolaus Naumow den Grafen Paul Kamarowski in dessen Palais am Canal Grande. Der Täter ist kein kaltblütiger Mörder, sondern ein psychisch gebrochenes „menschliches Wrack“, das unter dem Einfluss einer massiven manipulativen Beeinflussung durch die Gräfin Tarnowska handelte.
Das Wiener Sicherheitsbüro unter Hofrat Dr. Bernhard Pollak deckt auf, dass der Mord kein Einzelfall ist, sondern Teil einer großangelegten Intrige. Die Ermittlungen enthüllen Versicherungsbetrug (eine Lebensversicherung über 500.000 Francs) und die systematische Ausbeutung von Liebhabern durch die Gräfin und den Advokaten Donat Prilukow.
Die Gräfin Maria Tarnowska, geborene O’Rourke, steht im Zentrum eines Netzwerks aus Gewalt, Drogensucht (Kokain, Äther) und psychischer Manipulation. Ihre Geschichte ist geprägt von tragischen Schicksalen früherer Liebhaber, darunter die Suizide und gewaltsamen Tode von Graf Stephan Borgewski und Baron Wladimir von Stahl.
Der als „Russische Affäre“ bekannte Prozess in Venedig (1910) wurde zum Welttheater mit hysterischem öffentlichem Interesse. Die Verhandlungen offenbarten eine psychische Abhängigkeit der Täter von der Gräfin. Die Urteile lauteten: Nikolaus Naumow (3,5 Jahre Zuchthaus), Maria Tarnowska (8,5 Jahre Zuchthaus) und Donat Prilukow (10 Jahre Zuchthaus).
5 Sept 2026
#122 August Singer: Der Mädchenzerfleischer aus Salzburg
Im heißen August 1950 blickt die Wirtin des Salzburger Gasthofs Hartlwirt in einen Albtraum: In einem Hotelzimmer liegt eine junge Frau, brutal zugerichtet und zerfleischt. Die Ermittlungen scheinen zunächst ein Kinderspiel zu werden, denn der Täter, der 39-jährige Radiomechaniker August Singer, hinterlässt eine Spur, die jeden Kriminalisten fassungslos macht. Er hat sich nicht nur mit seinem echten Namen ins Fremdenbuch eingetragen, sondern kurz vor der Tat sogar seinen eigenen Ausweis als Pfand in einem Wirtshaus deponiert – eine kriminelle Dummheit, die bis heute schwer begreiflich ist.
Doch die vermeintlich schnelle Aufklärung ist erst der Beginn einer beispiellosen Kriminalgeschichte. Während der Täter durch das Land flüchtet, verfällt Österreich in eine regelrechte Massenhysterie. Die Menschen wittern hinter jeder Ecke den „Mädchenzerfleischer“, und die Polizei, geplagt von Kompetenzstreitigkeiten und chronischem Mangel an Ressourcen, erweist sich als völlig überfordert. Die fatale Folge dieser Panik: Ein unschuldiger Mann wird von Gendarmen erschossen, weil er für den flüchtigen Singer gehalten wurde – ein tragischer
Kollateralschaden einer außer Kontrolle geratenen Ermittlung.
Während Singer wochenlang teils ungeniert durch die Steiermark und Kärnten reist, als wäre er auf Urlaub, endet seine Odyssee schließlich durch einen reinen Zufall in einem kleinen Gasthaus in Zwickenberg. Doch selbst nach seiner Festnahme hört das perverse Spiel nicht auf: Mit einer Flut an Lügen, Manipulationen und Schauermärchen versucht er, die Ermittler in den Wahnsinn zu treiben. Wir rekonstruieren in dieser Folge, wie August Singer die Nerven einer ganzen Nation strapazierte, wie eine Massenpsychose zur tödlichen Falle wurde und warum dieser grausame Fall bis heute als düsteres Kapitel österreichischer Kriminalgeschichte gilt.
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