L.I.S.A. - Berliner Fußball im Nationalsozialismus
Hunderte Vereine, eine breit aufgestellte Arbeitersportbewegung und zahlreiche Spitzenmannschaften: Berlin war um 1930 eine absolute Fußballhochburg. Doch wie veränderte sich diese vielfältige Vereinslandschaft nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933? Mit der neuen Ausgabe von „Zeitlupe“ setzen wir unsere Serie zu Fußballvereinen im Nationalsozialismus fort, wobei das Hauptaugenmerk diesmal nicht auf einem einzelnen Club liegt, sondern die Entwicklungen im Berliner Fußball insgesamt thematisiert werden. Anhand verschiedener Vereine, darunter des BFC Viktoria 1889, dessen Vorsitzender Otto Colosser von den Nationalsozialisten bedroht und aus dem Amt gedrängt wurde, sprechen wir über die Mechanismen der Gleichschaltung im Fußball. Gesprächspartner ist der Historiker und Politikwissenschaftler Julian Rieck, der sich intensiv mit der Geschichte des Berliner Fußballs zwischen 1933 und 1945 beschäftigt hat.
10 Sept 2026
L.I.S.A. - Real Madrid, Barça und Spaniens Fußball unter Franco
Real Madrid als Klub des Franco-Regimes, der FC Barcelona als Symbol des katalanischen Widerstands: Mit diesem Dualismus wird die Geschichte des spanischen Fußballs häufig erzählt. In dieser Folge von „Zeitlupe“ durchstreifen wir mit dem Historiker Julian Rieck fast 100 Jahre spanischer Fußballgeschichte – vom ersten Clásico 1902 über den Spanischen Bürgerkrieg und die Franco-Diktatur bis zur Transición. Wir widmen uns legendären, aber auch umstrittenen Figuren wie Santiago Bernabéu, Alfredo Di Stéfano und Raimundo Saporta, den politischen Verflechtungen Real Madrids mit dem Franco-Regime und der Frage, welche Rolle der FC Barcelona als vermeintlicher „Widerstandsklub“ im Franquismus tatsächlich spielte. Dabei zeigt sich: Fußball war und ist in Spanien weit mehr als nur Sport.
13 Aug 2026
L.I.S.A. - Wie Judo und Jiu-Jitsu nach Deutschland kamen
Die Öffnung Japans im späten 19. Jahrhundert bewirkte eine Vielzahl an wechselseitigen Einflüssen, die sich in Westeuropa in der Kunst und im Design, aber auch im Sport niederschlugen: Japanische Kampfkunstmeister präsentierten in populären Showkämpfen ihre Techniken. Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich nicht zuletzt in Deutschland schnell eine Kampfsportszene, die einerseits die Lehren aus Japan adaptierte, aber auch eigene Wege beschritt. Wie wurden Jiu-Jitsu und Judo in der Anfangszeit in Deutschland praktiziert? Und mit welchen Theorien versuchten die Kampfsportpioniere vor dem Hintergrund des aufkommenden nationalistischen und völkischen Denkens ihren Sport als etwas „urdeutsches“ darzustellen? Darüber haben wir in der neuen Folge von „Zeitlupe“ mit dem Historiker Dr. Marcus Coesfeld gesprochen.
9 Jul 2026
L.I.S.A. - Faszination Sport. Von der Antike bis zur Fußball-WM
Sportereignisse schaffen immer wieder gemeinschaftsstiftende Erlebnisse und Begegnungen, die lange im Gedächtnis bleiben. Gleichzeitig ist der Sport kein Allheilmittel: Bisweilen macht er bestehende Bruchlinien und gesellschaftliche Spaltungen besonders sichtbar, immer wieder wird er politisch instrumentalisiert. Worin besteht also die Faszination des Sports? Wie alt ist sie und wie gelingt es dem Sport sich immer wieder gegenüber politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Logiken zu behaupten? Darüber haben wir mit dem Althistoriker und Experten für die Geschichte des antiken Sports Prof. Dr. Christian Mann (Universität Mannheim) gesprochen: eine Tour de Force durch die Sportgeschichte – vom Sport im antiken Griechenland bis zu den globalen Sportevents der Gegenwart.
Diese Podcastfolge wurde im Rahmen des Jubiläumsfestes zum 50-jährigen Bestehen der Gerda Henkel Stiftung am 18. Juni 2026 vor Publikum aufgezeichnet.
11 Jun 2026
L.I.S.A. - Das Ballspiel der Maya
Mexiko, das zusammen mit Kanada und den USA die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausrichtet, hat eine lange Ballspieltradition, die weit über die Zeit der spanischen Eroberung hinausreicht. Tatsächlich war das Ballspiel eines der wesentlichen verbindenden Elemente aller mesoamerikanischen Kulturen. Die Maya waren geradezu ballspielverrückt: Im Maya-Kerngebiet haben Archäologen mehr als 3.000 Ballspielplätze identifizieren können. Wie und nach welchen Regeln wurde aber auf diesen Plätzen gespielt? Und welche politische und religiöse Bedeutung hatte das Ballspiel für die Maya? Darüber haben wir in der neuen Folge von „Zeitlupe“ mit dem Archäologen und Maya-Experten Dr. Nicolaus Seefeld (Bonn) gesprochen.
Ein Exkurs zum Zusammenhang von Ballspiel und zeremonieller Gewalt ist als Bonus-Material dieser Folge beigefügt.
28 May 2026
L.I.S.A. - Hamburger SV – Fußballvereine im Nationalsozialismus (3)
Otto „Tull“ Harder und Asbjørn „Assi“ Halvorsen zählten in den 1920er- und 1930er-Jahren zu den großen Legenden des Hamburger SV. Gemeinsam führten sie den Verein 1923 und 1928 zu den ersten Meistertiteln der Vereinsgeschichte. Der Norweger Halvorsen galt als einer der ersten ausländischen Stars im deutschen Fußball, während Harder nach Uwe Seeler bis heute der erfolgreichste Torschütze des HSV ist. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten trennten sich ihre Wege radikal: Halvorsen verließ Deutschland, Harder wurde KZ-Aufseher. Am Ende des Zweiten Weltkriegs kreuzten sich die Wege von „Tull“ und „Assi“ 1945 noch einmal – unter völlig veränderten Vorzeichen.
In dieser Folge von „Zeitlupe“ sprechen wir mit Paula Scholz, Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Mitglied des „Netzwerks Erinnerungsarbeit“, über den Hamburger SV im Nationalsozialismus, die Biografien von Harder und Halvorsen sowie die Frage, wie der Verein und die Fanszene des HSV heute mit diesem dunklen Kapitel der eigenen Geschichte umgehen.
14 May 2026
L.I.S.A. - 1. FC Nürnberg – Fußballvereine im Nationalsozialismus (2)
Anfang der 1930er Jahre ist der 1. FC Nürnberg einer der erfolgreichsten Fußballvereine Deutschlands und steht für schichtenübergreifende Fußballbegeisterung und Sportsgeist. Doch ausgerechnet der angesehene Trainer des „Clubs“, Jenő Konrád, wird 1932 zum Opfer einer antisemitischen Kampagne der lokalen Nationalsozialisten. Nicht einmal ein Jahr später wird der Verein den Ausschluss seiner jüdischen Vereinsmitglieder beschließen – und sich Stück für Stück in den Dienst der NS-Herrschaft stellen. In der neuen Folge von „Zeitlupe“ zeichnen wir mit dem Zeithistoriker Dr. Matthias Braun die Geschichte des 1. FC Nürnberg im Nationalsozialismus nach und blicken auch darauf, wie der „Club“ nach 1945 mit diesem Erbe umging.
30 Apr 2026
L.I.S.A. - Borussia Dortmund – Fußballvereine im Nationalsozialismus (1)
Borussia Dortmund ist heute einer der größten Fußballvereine Deutschlands. Bis in die 1930er Jahre spielte der BVB jedoch unterklassig, erst 1936 gelang der Sprung in die erstklassige Gauliga. Prägende Figur dieser Zeit war der Nationalstürmer August Lenz. Ein Jahr nach dem Aufstieg wurde der „blonde August“ Mitglied der NSDAP. Und er war nicht der einzige „Braune“ bei den Schwarz-Gelben: Auch andere Spieler und Funktionäre des BVB waren in das nationalsozialistische System verstrickt. Doch wie weit reichte die Loyalität zum Regime? Gemeinsam mit der Dortmunder Historikerin Katharina Wojatzek beleuchten wir das widersprüchliche Bild eines Arbeitervereins im „Dritten Reich“.
10 Jul 2025
L.I.S.A. - Antike Athleten (3) – Siegerinnen
Lange war sich die Wissenschaft sicher, „dass das olympische Fest ausschließlich eine Sache von Mannsleuten war, und dass man die Weiber davon drakonisch fernhielt“ (so der bedeutende Kulturhistoriker Jacob Burckhardt). Tatsächlich war Frauen während der antiken olympischen Spiele die Anwesenheit an den Sportstätten verboten. Das hieß aber nicht, dass Frauen keine olympischen Siege erringen konnten, wie es etwa der spartanischen Prinzessin Kyniska und vielen weiteren Frauen gelang. Und bei anderen Wettkämpfen waren Mädchen und Frauen keineswegs so ausgeschlossen wie in Olympia. Wie groß ihr Anteil an der antiken griechischen Sportkultur war, darum geht es in der neuen Folge von „Zeitlupe“.
13 Mar 2025
L.I.S.A. - Antike Athleten (2) – Ein Lob dem Sieger
War ein Athlet im antiken Griechenland bei den Olympischen Spielen oder einem anderen bedeutenden Wettkampf siegreich, winkten ihm zu Hause in seiner Heimatstadt Anerkennung und Prämien. Aber die Sieger taten auch selbst einiges dafür, damit ihr Triumph nicht in Vergessenheit geriet. Sie ließen Siegesmonumente errichten mit eingravierten Gedichten, die von ihrem Erfolg kündeten. Die Selbstdarstellung der Athleten ermöglicht einen besonderen Zugang zum antiken Sport: Warum die Thebaner vor allem auf den Jugendsport setzten, die Spartaner stolz auf die „rohe Kraft“ ihrer Ringer waren und die Dynastie der Ptolemäer ihre Erfolge bei Pferderennen herausstrichen – um all dies geht es im zweiten Teil von „Antike Athleten“.
20 Feb 2025
L.I.S.A. - Antike Athleten (1) – Sport bei den alten Griechen
Beim Marathon fällt ein neuer Weltrekord, der Athlet schleudert den Diskus, das Stadion jubelt. Hören wir die Berichterstattung über sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele, nehmen wir kaum wahr, wie viele Begriffe des modernen Sports eigentlich auf die griechische Antike zurückgehen. Doch wie viel haben diese Wörter tatsächlich mit ihren antiken Ursprüngen gemein? Wo, wie und warum trieben die alten Griechen Sport? Wie viel religiöses Ritual steckte im Sport? In der ersten Folge von „Antike Athleten“ werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Sports im alten Griechenland.
1 Aug 2024
L.I.S.A. - Turnschuhdiplomatie (4) – Simbabwes Golden Girls
Olympische Medaillen verheißen nationale Identifikation und internationales Prestige. Um diese Bedeutung wussten auch die Regierenden der dekolonisierten Staaten Afrikas. Eine der bemerkenswertesten Geschichten schrieb in diesem Zusammenhang das Damenhockey-Team aus Simbabwe, das wenige Monate nach der Unabhängigkeit 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Gold gewann. Die weißen Spielerinnen wurden von der heimischen Presse „Golden Girls“ getauft, für Robert Mugabe waren sie „Schwestern Simbabwes“. Diese Episode gibt uns Gelegenheit, zum Abschluss der vier Folgen zur Turnschuhdiplomatie der DDR noch einmal grundsätzlich über das Verhältnis von Sport und Diplomatie im Kalten Krieg zu sprechen.
18 Jul 2024
L.I.S.A. - Turnschuhdiplomatie (3) – Der Turnschuhvertrag der DDR mit Angola
In den 1970er Jahren verlagern sich die Schwerpunkte der DDR-Sportdiplomatie. Die internationale Anerkennung ist erreicht, neue Partnerländer geraten in den Fokus, darunter auch jene Staaten, die sich gerade erst vom portugiesischen Kolonialreich befreit haben. Und auch die Erwartungen an die sportpolitischen Beziehungen haben sich verändert: Internationale Sportkontakte können nicht länger als Zuschussgeschäft betrieben werden, sondern müssen ihren Teil zur Bewältigung der wirtschaftlichen Nöte der DDR beitragen. Dass das ein schmaler Grat ist, zeigt sich am Turnschuh-Vertrag, den die DDR 1978 mit Angola schließt...
4 Jul 2024
L.I.S.A. - Turnschuhdiplomatie (2) – Der Ghana-Eklat in Leipzig
Freundschaftsspiele gehören seit jeher zum festen Repertoire des Fußballs. Außerhalb des Pflichtspielkalenders, ohne Eingang in offizielle Wertungen und Statistiken, geht es bei Freundschaftsspielen nicht nur um sportliche Aspekte, sondern auch um freundschaftlichen Austausch, die Unterstützung wohltätiger Zwecke oder den Aufbau und die Pflege von Beziehungen zwischen Vereinen. Beziehungen einer anderen Art, nämlich diplomatische Beziehungen, hatte die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik im Sinn, als sie 1961 – nur wenige Wochen vor dem Bau der Berliner Mauer – eine ghanaische Fußballauswahl zu einer Freundschaftsspielreise durch die DDR einlud. Drei Freundschaftsspiele sollten die „Black Stars“ im Vorfeld des Staatsbesuchs des ghanaischen Präsidenten Kwame Nkrumah in der DDR bestreiten. Doch schon beim ersten Spiel in Leipzig kam es zu einem handfesten Eklat.
13 Jun 2024
L.I.S.A. - Turnschuhdiplomatie (1) – Der Internationale Trainerkurs
ITK – diese Abkürzung steht für „Internationaler Trainerkurs“, ein Trainerlehrgang, der an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig angeboten wird. Das Besondere an diesem Lehrgang: Er richtet sich an Trainer und Sportlehrer aus Entwicklungsländern. 1964 wurde der Trainerkurs an der damaligen „Deutschen Hochschule für Körperkultur“ in Leipzig als Prestigeprojekt der Deutschen Demokratischen Republik ins Leben gerufen. Was sich die DDR von ihm erhoffte, wie die Sportler und Gastländer von dem Kurs profitierten und was der Internationale Trainerkurs mit dem Kalten Krieg und dem Kampf um internationale Anerkennung zu tun hat, darum geht es in der ersten Folge von Zeitlupe. Der sporthistorische Podcast von L.I.S.A.
Contact Zeitlupe – Der Podcast über Sport und Geschichte
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