Z00269 Der Buddha erschafft keine schöne harmonische Welt. (Pfingst-Sesshin 25.05.2026)
Im Rahmen der Mönchsordination dreier Praktizierender erinnert Christoph Rei Ho Hatlapa an die Überlieferung von Huineng und zitiert eine Passage aus dem 10. Kapitel des Diamant-Sūtras: »Ein Buddha sollte einen Geist entwickeln, der nirgendwo verweilt.« Ein Bewusstsein also, das weder an Sinneseindrücken noch an Konzepten haftet. Doch wie kann ein Mensch frei von Anhaftung leben und zugleich Verantwortung für die Welt übernehmen? Im Zentrum steht die Praxis der Gelübde: nicht als moralische Vorgaben, sondern als lebendige Schulung des Geistes im Alltag von Gemeinschaft, Sprache, Konflikt und Mitgefühl. Sie weisen auf einen Weg, der Freiheit nicht gegen die Welt stellt, sondern mitten in ihr verwirklicht.
In diesem Sinne ist die Ordination kein besonderer Status oder Abschluss, sondern der bewusste Schritt in eine Praxis, die Einfachheit, Geduld und Mitgefühl nicht idealisiert, sondern verkörpert – Tag für Tag, inmitten der Bedingungen des Lebens.
Anmerkung:
Die Aufzeichnung des Teishos endet mit dem Beginn der nachfolgenden Ordinationen.
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3 Oct 2026
Z00268 Keine Erklärung, keine Bedeutung - und dadurch grenzenlos frei. (Pfingst-Sesshin 24.05.2026)
Im Teisho zum Koan Mians »wahre Bedeutung« aus dem Shumon Kattoshu (Fall 22-2) geht es um das unmittelbare So-Sein der Wirklichkeit. Ausgangspunkt ist die Geschichte von Meister Tokusan, der mit seinen Essschalen zum Speisesaal geht, obwohl das Signal zum Essen noch gar nicht ertönt ist. Als der Koch ihn darauf hinweist, dass die Glocke noch nicht geschlagen hat, reagiert Tokusan weder mit Rechtfertigung noch mit Diskussion, sondern dreht sich einfach um und geht zurück. Ein Mönch fragt später nach der Bedeutung dieses Verhaltens, doch der Meister Mian Xianjie antwortet schlicht: »Keine Bedeutung.«
Tokusan folgt unmittelbar dem So-Sein der Situation, ohne inneren Widerstand und ohne sich in Erklärungen zu verlieren. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zur weit verbreiteten Neigung, hinter allem einen besonderen Sinn oder eine Erklärung zu suchen. Die Zen-Praxis verweist auf eine Wirklichkeit, die keiner zusätzlichen Erklärung bedarf. Es gilt, diese zunehmend zu verkörpern und dadurch ihre beiden Pole zu verbinden: das grenzenlose, unfassbare Wesen der Leerheit und das konkrete So-Sein jedes Augenblicks.
Leiden entsteht vor allem dort, wo Menschen gegen die Wirklichkeit kämpfen. Wenn wir sagen »Es sollte anders sein«, geraten wir in Widerstand zum Leben. Wirkliche Freiheit entsteht im tiefen Annehmen dessen, was ist – auch von Schmerz, Verlust, Krankheit und Vergänglichkeit. Christoph Rei Ho Hatlapa betont, dass es dabei nicht um oberflächlichen Optimismus geht, sondern um die Bereitschaft, auch schwierige Erfahrungen in das Ganze des Lebens aufzunehmen und ihnen geborgen im Raum des So-Seins zu begegnen. Frieden entsteht nicht durch das Erzwingen bestimmter Zustände, sondern durch die Rückkehr in die eigene Mitte und das Einverständnis mit dem Fluss des Lebens.
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19 Sept 2026
Z00267 Wie frei kann ein Mensch werden, obwohl er in Bedingungen und Zusammenhänge eingebunden bleibt? (Pfingst-Sesshin 23.05.2026)
Das berühmte Koan »Hyakujōs Fuchs« aus dem Mumonkan führt mitten hinein in diese zentrale Frage. Ausgangspunkt ist die Geschichte eines alten Mönchs, der auf die Frage, ob ein erleuchteter Mensch dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliege, antwortet: »Nein, er fällt nicht darunter.« Für diese Antwort muss er 500 Leben als Fuchs erdulden, bis er schließlich durch Hyakujōs Antwort »Er missachtet die Kausalität nicht« befreit wird.
Einerseits können wir durch die Zen-Praxis unser Denken verändern, alte Muster durchschauen und dadurch Handlungsspielräume gewinnen, die vorher verborgen waren. Wer etwa Feindbilder überwindet und Mitgefühl entwickelt, verändert die Qualität seiner Beziehungen und damit die Wirklichkeit. In diesem Sinne fällt der Erwachte nicht vollständig unter das Joch der Kausalität, da er nicht mehr blind von seinen Gedanken und Reaktionen bestimmt wird.
Zugleich war die ursprüngliche Antwort des alten Mönchs unvollständig und verhängnisvoll. Denn auch ein erleuchteter Mensch bleibt Teil der Bedingungen des Lebens. Krankheit, Vergänglichkeit, Gewalt und Tod können nicht einfach aufgehoben werden. Spirituelle Freiheit bedeutet also weder Allmacht noch Unverletzlichkeit, sondern ein bewusstes, mitfühlendes und geistesgegenwärtiges Leben innerhalb dieser Bedingungen.
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