Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. <br/><br/><a href="https://plus.ahavta.com/s/das-juedische-jahr?utm_medium=podcast">plus.ahavta.com</a>

Das Wort zum Schabbat
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Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt. Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes. Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta. <br/><br/><a href="https://plus.ahavta.com/s/das-juedische-jahr?utm_medium=podcast">plus.ahavta.com</a>
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12/15/2023
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June 5, 2026
Schabbat Behaalotcha || Keine Sonderregeln – nicht einmal für Mose
<p><strong>Kantor Amnon Seelig</strong> erläutert im Gespräch mit mir, warum die Tora ihren Stoff mehrfach erzählt. Nichts darin ist überflüssig – Wiederholungen sind nie wörtlich identisch, und gerade in den Unterschieden und Ähnlichkeiten suchen die Weisen die tiefere Bedeutung. Schon das fünfte Buch trägt den Namen „Mischne Tora“, Wiederholung der Tora.</p><p>Im Zentrum des Wochenabschnitts <strong>Behaalotcha (4. Mose 8–12)</strong> steht die „kuschitische Frau“ des Mose (12,1). „Kuschitisch“ verweist auf Kusch, die Region um das heutige Äthiopien; im modernen Hebräisch wurde „Kuschi“ zu einem abwertenden Wort. Mit heutigen Augen wirkt der Tadel von Mirjam und Aaron rassistisch. Die rabbinische Tradition liest die Stelle jedoch anders: Der Midrasch deutet „Kuschit“ über den nahezu gleichen Zahlen- und Buchstabenwert um – es handle sich um Zippora, Moses einzige Frau aus Midian. Mirjam bemerkt, dass diese keinen Schmuck trägt, und erkennt, dass Mose seine eheliche Pflicht vernachlässigt. Raschi versteht „Kuschit“ als Hinweis auf außergewöhnliche Schönheit, ebenso über den Zahlenwert.</p><p>Der eigentliche Vorwurf lautet also: Mose sondert sich von seiner Frau ab. Mirjam und Aaron, selber Propheten, halten ihm entgegen: Gott spricht auch mit ihnen, ohne dass sie enthaltsam leben müssen. Daraus folgt eine zentrale Einsicht – <strong>im Judentum gelten dieselben Regeln für alle, auch für den größten Propheten</strong>. Anders als bei Königen der Antike, die über dem Gesetz standen, oder Salomo, der als König die Tora missachtete, ist niemand ausgenommen. Es gibt kein Zölibat und keine Mönche; Heiraten und Kinderzeugen sind die erste Mizwa. Abravanel betont: Selbst der bescheidenste Mensch darf sich der menschlichen Natur nicht entziehen.</p><p>Seelig warnt zugleich davor, Texten von vor 3500 Jahren moderne Sichtweisen zu unterstellen. Ich schließe (daraus): Wir nehmen uns selbst oft zu wichtig – darum lohnt es, die viel ältere rabbinische Tradition zu hören.</p> <br/><br/>This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit <a href="https://plus.ahavta.com/subscribe?utm_medium=podcast&utm_campaign=CTA_2">plus.ahavta.com/subscribe</a>

May 29, 2026
Schabbat Nasso || Segen, der verbindet
<p><strong>Rabbiner Prof. Dr. Jehoschua Ahrens</strong> legt heute den <strong>Wochenabschnitt Nasso</strong> aus – mit 176 Versen der längste Abschnitt der Tora. Er schlägt zunächst einen Bogen über den gesamten Text: die drei Levitenfamilien mit ihren unterschiedlichen Aufgaben am Mischkan, die Geschenke der Stammeshäupter und schließlich der Priestersegen. Alle diese Themen kreisen für ihn um eine zentrale Spannung: das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Jeder Mensch zählt, jede Begabung wird gebraucht, und gerade in der Vielfalt der Talente und Meinungen – einem „Streit um des Himmels willen“ – wächst Gemeinschaft.</p><p>Ausführlich erschließt Ahrens das <strong>Birkat Kohanim</strong>, den „Priestersegen“ (4. Mose 6,22–27). Er beschreibt die heutige liturgische Praxis – aschkenasisch nur an Feiertagen durch den Vorbeter, sephardisch und in Israel täglich durch die Kohanim selbst – ebenso wie die Tempel-Tradition mit den zwölf Stufen, der ausgesprochenen Nennung des Gottesnamens und der bekannten Handhaltung, die übrigens auch den Vulkaniergruß in Star Trek inspiriert hat. Entscheidend ist ihm: Der Segen kommt von Gott, die Priester sind nur Werkzeug. Mit Samson Raphael Hirsch betont er zudem, dass die Gemeinde den Segen durch den Mund der Priester gleichsam über sich selbst ausspricht – Judentum als demokratische, von unten getragene Spiritualität.</p><p>Mit Mark Breuer entfaltet Ahrens die drei Dimensionen des Segens: Gottes Hut bewahrt nicht nur vor Armut und Gefahr, sondern auch vor der Versuchung des Reichtums, der den Menschen nicht besitzen soll. Gottes Barmherzigkeit schenkt inneren Frieden, der nach außen wirkt. Und Schalom ist kein bloßes Schweigen der Waffen, sondern aktive Handlung – Ganzheit, Harmonie und gemeinsames Aufbauen einer Gesellschaft, in der jeder mit seinem Können beitragen kann. Schalom umfasst die Familie (Schlom Bajit), die Gemeinschaft und die Beziehung zu Gott. </p><p>Abschließend ergänze ich den archäologischen Befund der Amulette von Ketef Hinnom (6./7. Jh. v.u.Z.) und verweise auf die verbindende Kraft des Priestersegens zwischen Judentum und Christentum.</p> <br/><br/>This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit <a href="https://plus.ahavta.com/subscribe?utm_medium=podcast&utm_campaign=CTA_2">plus.ahavta.com/subscribe</a>

May 22, 2026
Schabbat am Wochenfest || Wenn der Himmel die Tora schenkt
<p><strong>Rabbiner Dr. Daniel Katz</strong> ordnet das Wochenfest <strong>Schawuot</strong> in den jüdischen Festkalender ein. Er erläutert, dass das Judentum sechs Hauptfeste kennt: den wöchentlichen Schabbat als Erinnerung an die Schöpfung, die beiden hohen Herbstfeiertage Rosch haSchana und Jom Kippur sowie die drei Pilgerfeste – die Schalosch Regalim –, zu denen man im Altertum nach Möglichkeit zu Fuß nach Jerusalem zog: Pessach und Schawuot im Frühjahr und Sukkot im Herbst.</p><p>Schawuot bedeutet auf Hebräisch schlicht „Wochen”. Das Fest schließt das siebenwöchige Zählen der Omertage ab, das am zweiten Pessachtag beginnt: siebenmal sieben Tage, also fünfzig. Anders als Pessach oder Sukkot wird Schawuot in der Tora wenig konkret beschrieben. Es ist Erntefest des späten Frühlings – und vor allem das Fest der Tora-Gabe am Berg Sinai. Diese Übergabe ist keineswegs selbstverständlich gewesen: Die aus Ägypten befreiten Sklaven haben nicht erwartet, dass Gott ihnen die Tora schenkt. Gelesen werden die „Zehn Worte” – im Judentum nicht „Gebote”, denn die Tora kennt 613 Mitzwot, weil das Leben sich nicht in zehn Regeln fassen lässt.</p><p>Zur Liturgie gehören die <strong>Megillat Rut</strong>, eine der fünf biblischen Festrollen, deren Erntegeschichte in diese Jahreszeit passt und über Boas zu König David führt, sowie die aramäische Hymne „Akdamut Milin” mit ihren neunzig Versen und der Vision eines messianischen Festmahls der Gerechten. Kulinarisch prägt das Bild vom Land, „in dem Milch und Honig fließen”, die Feiertafel: Milchspeisen und vielfältige Käsekuchen werden traditionell gegessen, da Milchiges und Fleischiges nach biblischer Diät getrennt bleiben.</p><p>In diesem Jahr fällt der zweite Tag Schawuot auf den Schabbat, sodass die wöchentliche Tora-Lesung unterbrochen wird und Sonderlesungen Vorrang haben. Im abschließenden Gespräch zieht Ricklef Münnich eine Parallele zum christlichen Pfingstfest: Apostelgeschichte 2 führt ebenso wie Schawuot zur Tora zurück – eine verbindende Erinnerung an die Gabe vom Sinai.</p> <br/><br/>This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit <a href="https://plus.ahavta.com/subscribe?utm_medium=podcast&utm_campaign=CTA_2">plus.ahavta.com/subscribe</a>
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