Ich lese Texte vor. Meist aus meinem Blog. Ab und spiele ich etwas dazu. Anleitung: dieser Podcast ist ein literarisches Weberzeugnis. Oder wie jemand mal gesagt hat: “Das ist ein semi-literarisches Tagebuch.” Kann ich auch mit leben. Weniger mag ich Leute, die sagen: “Mensch, kannst du nicht mal ein bisschen witzig sein?”. Doch das sagt ja niemand. Und sonstso mache ich derzeit mehr Langprosa. Ab und zu lese ich meine Sachen dem Publikum vor. Hin und wieder werde ich für einen Literaturpreis nominiert. Ich gewinne aber nie etwas. Und sonst so: Ich arbeite in einer Internetfirma. Dort leite ich ein gutes Dutzend Expertinnen, die ziemlich coole Sachen mit Computern machen. Kurzbio: * 1975 in den Dolomiten. Aufgewachsen ebenda. Immer gut zu Kühen gewesen. Punkrock, Milano, Zürich, Wien. Lange Jahre in den Niederlanden gelebt, Brecheisen gestemmt. Später Madrid. Dann in Hamburg Deutscher geworden. Jetzt in Berlin. So ist das.

es regnet
Claim This Podcastby Markus Pfeifer
Podcast Overview
Ich lese Texte vor. Meist aus meinem Blog. Ab und spiele ich etwas dazu. Anleitung: dieser Podcast ist ein literarisches Weberzeugnis. Oder wie jemand mal gesagt hat: “Das ist ein semi-literarisches Tagebuch.” Kann ich auch mit leben. Weniger mag ich Leute, die sagen: “Mensch, kannst du nicht mal ein bisschen witzig sein?”. Doch das sagt ja niemand. Und sonstso mache ich derzeit mehr Langprosa. Ab und zu lese ich meine Sachen dem Publikum vor. Hin und wieder werde ich für einen Literaturpreis nominiert. Ich gewinne aber nie etwas. Und sonst so: Ich arbeite in einer Internetfirma. Dort leite ich ein gutes Dutzend Expertinnen, die ziemlich coole Sachen mit Computern machen. Kurzbio: * 1975 in den Dolomiten. Aufgewachsen ebenda. Immer gut zu Kühen gewesen. Punkrock, Milano, Zürich, Wien. Lange Jahre in den Niederlanden gelebt, Brecheisen gestemmt. Später Madrid. Dann in Hamburg Deutscher geworden. Jetzt in Berlin. So ist das.
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🇩🇪
Publishing Since
3/18/2024
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July 16, 2026
[Mi, 15.7.2026 – Waschen]
Als ich bereits im Bett lag, überkam mich das Bedürfnis nach einer Dusche. Mir war warm. Die Dusche steht zehn Meter von dem Haus entfernt, das Wasser im Schlauch würde aber nicht mehr warm sein, da der Schlauch sicherlich schon einige Stunden im Schatten gelegen hatte. Ich fühlte mich aber überaus unwohl, das bisschen kaltes Wasser würde mich schon nicht erschrecken. Allerdings vergesse ich hier im schwedischen Wald immer wieder, was für ein Warmduscher ich in Wirklichkeit bin. Als ich das Wasser anmachte, hörte mich meine Frau, die im Haus oben im Schlafzimmer lag, schreien. Deswegen schaltete ich das Wasser auch sofort wieder aus. Dann ging ich in die Küche und füllte einen Eimer mit heißem Wasser. Ich möchte wirklich wissen, wie sich die Menschen in diesem Haus vor hundert Jahren wuschen. Es gibt hier nämlich kein fließendes Wasser. Erst seit einigen Jahrzehnten ist der Brunnen unten am Fluss mit dem Waschbecken in der Küche verbunden. Das war einmal ein kleiner Bauernhof für arme Leute. Ein sogenanntes Soldat Torp. Es wurde von Soldaten bewohnt, die in Friedenszeiten Kleinbauern waren, während in Kriegszeiten die Frau den Hof alleine bewirtschaftete. Kam der Bauer aus dem Krieg nicht zurück, musste die Witwe Platz für den nächsten Soldaten machen. Manchmal heiratete die Witwe den neuen Soldaten. Meist verarmten die Witwen aber. Vermutlich wuschen sie sich in Badewannen. Einmal die Woche. Wie meine Mutter aus ihrer Kindheit erzählte. Dass zuerst der Vater in die Wanne stieg, dann die Mutter und sich dann einmal die ganze Hierarchie herunterwusch, bis sie als jüngste Tochter zum Schluss in einer Dreckbrühe am Zug war. Wir haben letztes Jahr aber eine Außendusche gebaut. Eine kleine Holzplattform auf Betonfüßen, an der wir im Sommer vier Schotten aus Leichtholz dran festmachen. Das warme Wasser kommt von einem 40 Meter langen Schlauch, der den ganzen Tag in der Sonne liegt. Der Schlauch ist nämlich nur an das kalte Brunnenwasser angebunden. In Zukunft werde ich den Schlauch an die Regentonne anbinden, um Brunnenwasser zu sparen, aber die Regentonne habe ich noch nicht so funktional eingesetzt bekommen, wie ich mir das wünsche. Alternativ kann ich Wasser aus dem Fluss hochpumpen. Dafür kaufte ich letztes Jahr eine Pumpe, die 14 Höhenmeter überwinden kann. Aber um das alles einigermaßen praktikabel betreiben zu können, muss ich mehr ausprobieren und mir noch einige Gedanken dazu machen. Bisher wuschen wir uns im Fluss. Oder an einem kleinen Waschbecken. Ey, aber wir haben hier 1Gb Glasfaser mitten im Wald.
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July 15, 2026
[Di, 14.7.2026 – Sack, komplexitätslose Probleme, wenig Lektüre]
Ich überlege schon die ganze Zeit, wie ich das Geschehene einigermaßen in einer künstlerischen Form auf Papier bringen kann, deswegen am besten einfach direkt: In meinem Hodensack hat sich eine Zecke festgebissen. Ich fand es ja immer schon seltsam, dass sich Zecken vorzugsweise auf dem Bauch oder dem Rücken festsetzen, während es sich doch wesentlich geräuschloser dem Zeckenbusiness nachgehen lässt, wenn man sich an versteckteren Orten einnistet. z. B. in Achselhöhlen oder im Schamhaar oder eben auf dem Hodensack. Wir checken uns jeden Abend vor dem Schlafengehen wegen Zecken ab. Wie präzise ich dabei den Hodensack untersucht hätte, lässt sich schwer sagen. Ich entdeckte das Spinnentier heute auch nur zufällig, weil ich von der Außendusche kam und mich vor dem Haus beim Trocknen in der Morgensonne die Eier kraulte. Die Kettensäge habe ich übrigens immer noch nicht in Betrieb genommen. Sie wurde in zwei Teilen geliefert und muss noch zusammengebaut werden. Ich verstehe nicht, wie ich das Schwer samt Kette auf den Motor anbringen muss. Die Anleitung ist sehr präzise, sie lässt jedoch genau diesen einen Schritt aus. Auch die KI ist dabei keine Hilfe. Deswegen legte ich die Maschine vor einigen Tagen beiseite, um das Problem auf später zu verlagern. Die Probleme, die ich hier habe, sind sonst alle schön zweidimensional, die sich mit Tatkraft aber sonst unkompliziert lösen lassen: ein umgefallener Baum, ein schwerer Gegenstand, dichtes Gras, ein verirrter Schmetterling, fehlendes Brot, fehlendes Bier. Mein Leben würde ich gerne auf dieser Komplexitätsebene belassen. Heute ging es mir nicht besonders gut. Letzte Nacht schlief ich schlecht. Ich war den ganzen Tag müde und kraftlos. Irgendwas hat mich heimgesucht. Wir haben hier 30 Grad, während es in Berlin angenehme 24 sind. Der Norden ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. Zugegebenermaßen sind die 30 hier wesentlich erträglicher als in Berlin. Außerdem kühlt es nachts immer gut ab. Noch. Dafür saß ich den ganzen Tag im Schatten vorm Haus und las. Ich habe nur drei Bücher mitgenommen. Wenn ich mit Knausgård durch bin, dann bleiben nur noch zwei dünne Bücher übrig. Die Traumnovelle von Schnitzler und von Schirachs Regen. Die lese ich vermutlich in einem Rutsch durch.
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July 14, 2026
[Mo, 13.7.2026 – Insignien, Werkzeug]
Wir gehen hier ja mit den letzten Sonnenstrahlen ins Bett. Gestern schien sogar noch lange die Sonne ins Zimmer herein, während meine Augen mir zufielen. Unsere Freunde fuhren heute wieder zurück in den Süden. Die Hündin schien sich den ganzen Tag zu fragen, wo die ganze Action plötzlich hin ist. Keine wilden Jungs mehr, die ständig Bälle werfen und sich jagen lassen. Die Hündin hat uns beim Schwimmen übrigens zerkratzt. Gestern liefen wir alle mit ihren Insignien (drei rote Striche, der mittlere Strich länger) durch die Gegend. Sie wollte uns ja nur immer retten. Die gute Absicht stimmt uns milde. Am Nachmittag fuhren wir in die Stadt, um ein paar Erledigungen zu machen. Kissenbezüge und Schrauben. Als wir wieder zurück waren, wollte ich den leckenden Schlauch reparieren und musste feststellen, dass mir ein Anschlussstück fehlte. So geht es hier eigentlich die ganze Zeit. Es fehlt eine Kleinigkeit, dann müssen wir in die Stadt. Das ist bei Werkzeug so, aber auch beim Essen. Die Stadt ist nicht gerade um die Ecke, sondern etwa 30 Autominuten entfernt. Ich weiß nicht, wie andere das machen. Vermutlich planen sie die Stadtbesuche sorgfältiger. Berlinbewohner wie wir sind es schlichtweg nicht gewohnt, etwas nicht sofort zur Verfügung zu haben. Zurück im Wald spielten wir Memory. Ja genau. Ich verlor.
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