About Geschichte(n) aus dem Schweizerischen Nationalmuseum
Geschichten und Gespräche aus dem Schweizerischen Nationalmuseum: Hochkarätige Gesprächspartner aus dem In- und Ausland diskutieren über historische und gesellschaftsrelevante Themen. Dazu kommen exklusive Podcasts zu Themen aus den Ausstellungen im Landesmuseum Zürich, dem Château de Prangins und dem Forum Schweizer Geschichte Schwyz.
Gisela Hürlimann und Hartmut Berghoff: Der lange Schatten der DDR
Viele Ostdeutsche seien auch Jahrzehnte nach Ende der DDR noch nicht in der Demokratie angekommen: Das befand vor einiger Zeit der Ostbeauftragte der deutschen Regierung. Tatsache ist, dass die AfD im Osten auf doppelt so hohe Stimmenanteile kommt wie im Westen, dass nationalistische und fremdenfeindliche Haltungen verbreiteter sind und die Wirtschaftsleistung tiefer ist. Aber was genau hat das mit der DDR und deren Erbe zu tun? Ist der einstige Osten nach der Wiedervereinigung zu einer abgehängten Region geworden, in der Ressentiments und Diktaturnostalgie blühen - oder ist das ein Zerrbild, das vorab im Westen zirkuliert?
Gisela Hürlimann, Professorin für Technik- und Wirtschaftsgeschichte in Dresden, und dem Wirtschafts- und Sozialhistoriker von der Universität Göttingen Hartmut Berghoff sprechen darüber, wie die DDR abgewickelt wurde, welche Prägungen aus der Diktaturzeit ins heutige Deutschland hineinwirken und was die junge Generation in Ostdeutschland mit der DDR verbindet.
Moderation: Claudia Mäder, Leiterin «NZZ Geschichte».
24 Aug 2026
Matthieu Leimgruber, Georges-Simon Ulrich und Christina Neuhaus: Statistik, Wohlstand und Demokratie
Was sagen Statistiken über die Schweiz und was nicht? Wer entscheidet, was zählt: Wohlstand, Ungleichheit, soziale Sicherheit? Und wie formen statistische Kategorien nicht nur unser Wissen, sondern auch den Handlungsspielraum staatlicher Akteure?
Statistiken gelten als zentral für das Funktionieren von modernen Demokratien – und sind doch stets Teil politischer Aushandlungen. Mit der Gründung des Eidgenössischen Statistischen Bureaus 1860 begann in der Schweiz die systematische Erhebung von Daten. Im 20. Jahrhundert entwickelten sich daraus jene Formen der Wissensproduktion, die Gesellschaft erst messbar machten: durch Debatten darüber, was erfasst werden soll, durch politische Entscheidungen, die bis heute nachwirken und durch die zunehmende Einbindung in internationale statistische Standards und Organisationen.
Der Historiker Matthieu Leimgruber und der Statistiker Georges-Simon Ulrich greifen diese Themen auf. Gemeinsam diskutieren sie, wie statistische Systeme entstehen, wessen Realität sie abbilden und was dies für unsere Gesellschaft heute bedeutet.
Moderation: Christina Neuhaus, Leiterin Inlandredaktion NZZ
18 May 2026
Gabrielle Schaad, Brian McGowan und Ladina Spiess: Inklusion denken: Normen, Körper und gebaute Umwelt
Was gilt als Behinderung? Und wer entscheidet, was als «normal» gilt? Wie sind diese Kategorien entstanden und wie prägen sie unser Leben bis heute? Die Veranstaltung bringt Perspektiven aus Disability Studies mit jenen aus Architektur- und Kulturgeschichte ins Gespräch.
Am Ende des 19. Jahrhunderts entstehen in Medizin, Recht und Fürsorge klare Unterscheidungen zwischen Normalität und Abweichung. Institutionen legten damit fest, welche Körper und Lebensweisen als «normal» zu gelten haben. Diese historischen Einteilungen prägen unsere Gesellschaft bis in die Gegenwart, ganz konkret auch in der gebauten Umwelt. Denn Städte, Gebäude und öffentliche Räume sind nie neutral: Ihre Gestaltung entscheidet mit darüber, wer sich frei bewegen und teilhaben kann – und wer ausgeschlossen wird.
Vor diesem Hintergrund stellt die Veranstaltung die Frage, was «Inklusion» heute bedeutet: Reicht es, Gebäude barrierefrei zu bauen oder braucht es ein grundlegendes Umdenken in Planung und Baukultur? Wo befinden sich noch Leerstellen?
Gabrielle Schaad und Brian McGowan diskutieren gemeinsam, welche Verantwortung die Akteurinnen und Akteure in Architektur und Planung tragen und wie wir Zugänglichkeit, Teilhabe und räumliche Gerechtigkeit neu denken können.
Moderation: Ladina Spiess, freischaffende Moderatorin, Kommunikationstrainerin und Texterin
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André Seidenberg
Michael Herzig
Julia Zutavern
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