

gfs.echo
mit Lukas Golder und Jenny Roberts
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- Bi-weekly
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- 2025
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About gfs.echo
gfs.echo ist der Politik-Podcast von gfs.bern. In 25–35 Minuten sprechen Lukas Golder und Jenny Roberts aus seinem Team mit Gästen aus Verwaltung, Verbänden, Parteien und NGOs. Locker im Ton, präzise in der Sache: Fakten einordnen, Annahmen testen, Konsequenzen für die Praxis benennen. Jede Folge liefert Zahlen aus aktuellen Studien, eine klare Einordnung und einen Blick nach vorn. Zweiwöchentlich – als Video und Audio.
- Publisher
- mit Lukas Golder und Jenny Roberts
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- news
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- de
- Explicit
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- 12 Nov 2025
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- 4 Nov 2026
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4 Nov 2026
Steigende Wohnfläche pro Person, nachhaltiges Bauen erst seit fünf Jahren im Fokus: Szélpal sieht den Wohnungsbau im Rückstand
Um 1900 gab es drei Lebensphasen, heute sind es laut Zukunftsinstitut sieben. Die Bestandsbauten sind dieselben geblieben. Boris Szélpal, Professor für Architektur und Planung an der Berner Fachhochschule, erklärt, warum die Wohnfläche pro Person weiter steigt und warum sich die Wohnungsknappheit in den nächsten fünf Jahren nicht stoppen lässt. Lebensphasen und Bestandsbauten passen immer schlechter zusammen: Gebäude stehen über Generationen, Lebensläufe ändern sich schneller. Zu Kind, erwachsen und alt sind Phasen wie die «Rushhour» hinzugekommen, in der man sich zugleich um Kinder und alternde Eltern kümmert. Menschen und Bauten wieder zusammenzubringen, nennt Boris «die grosse Aufgabe unserer Gesellschaft». Laut Bundesamt für Statistik hat die Wohnfläche pro Person 2025 mit 46,6 Quadratmetern einen Höchstwert erreicht. Boris erklärt das mit dem Planungsvorlauf: Bezogen wird, was vor rund zehn Jahren geplant wurde, über Genügsamkeit rede man erst seit etwa fünf Jahren. Weil die meisten Mieterinnen und Mieter nehmen müssen, was gebaut wird, fordert er im Bau- und Planungsrecht eine Obergrenze für die Wohnungsgrösse. Warum ältere Alleinstehende in grossen Wohnungen bleiben, zeigt eine Masterarbeit von Hausammann Sieber: wegen des tiefen Mietzinses und des vertrauten Netzwerks. Als Hebel nennt Boris die «Phase null», die seit 2022 zur Planungsnorm des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins gehört. Bevor ein Strich gezeichnet wird, werden mit Zeit und Honorar die Bedürfnisse geklärt. Schneller bewilligt werde nur, was vorne sorgfältig vorbereitet sei. Im Podcast erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 von gfs.bern Transkript zur Episode 00:00:00 Sprechergfs.echo, der Podcast von gfs.bern mit Lukas Golder und Corina Schena. 00:00:13 LukasHerzlich willkommen bei gfs.echo. Wir diskutieren Themen, die die Leute beschäftigen. In dieser Staffel geht es um das Thema Wohnungsmangel, steigende Mietpreise, und wir haben einen spannenden Gast zu diesem Thema heute: Professor Boris Szélpal, Professor für Architektur an der Berner Fachhochschule. Du hast, das hast du mir erklärt, als wir hier entlang gegangen sind, deine Arbeit erklärt. Wir müssen den Raum ganzheitlich denken, und du hast vor allem gesagt, du musst schon bereits im Untergrund, bei den Röhren und Tiefleitungen und Tiefbau anfangen. Müssen wir wirklich, um die Probleme beim Wohnen zu lösen, ganz bei Adam und Eva anfangen? 00:00:54 BorisDanke für die schöne Frage. Adam und Eva ist gerade ein bisschen, aber sicher weit vorne. Ich sage mal, man muss die Köpfe auch mal drehen. Aber wichtig ist schon, dass verschiedene Leute verschiedene Bedürfnisse haben, und dem ist Rechnung zu tragen. Auf jeden Fall, und in der Schweiz sowieso, wo wir so grosse Erwartungen haben, mit den Bedürfnissen verknüpft, muss man einfach schauen, dass die Leute das bearbeiten können, was sie sich wünschen, die Erwartungen, aber auch sagen können, diese Bedürfnisse gehen nicht, und auch verzichten können, darum geht es. Und vor allem beim Bauen sowieso, wo es so wichtig ist, was wir in der Zukunft aufstellen und bauen, dort muss man auf die Leute hören. 00:01:33 LukasDu nennst wirklich den Verzicht, das ist jetzt fast ein bisschen Gegenzeitgeist, würde ich sagen. Das ist ein Teil deiner Lösung, oder? 00:01:40 BorisDas ist ein Teil meiner Lösung und von meinem Ansatz. Man kann auch schöner sagen: Genügsamkeit. Und das ist eine Schwierigkeit in unserer Gesellschaft, in der alles immer mehr, immer weiter, immer schneller geht, genügsam zu sein und das auch selbst zu spüren, wenn man genügsam ist und wenn es dann reicht. Und wenn man in der Gruppe das diskutieren kann, was reicht und was braucht es überhaupt, dann kann man sich auch darauf einigen, dass es weniger braucht. Aber wenn man in die Diskussion nicht hineingeht miteinander, kommt man gar nicht auf diese Lösung, dann gibt es immer mehr. Dann bestellen die Leute immer mehr. 00:02:12 LukasCorina, du hast dir die Studie ein biss

22 Oct 2026
Wohnungsbau in der Stadt: Hohe Bodenpreise treiben die Baukosten neuer Wohnungen
Beim Thema serielles Bauen und Bodenanteil ist für Adrian Wyss, Head Division Buildings bei Implenia, klar: Genossenschaften bauen nicht günstiger, sie haben günstigeres Land. In der Stadt macht der Bodenanteil rund 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Serielles Bauen in Holz-Systembauweise ist nach rund tausend Einheiten gleich teuer wie konventionelles Bauen, günstigen Wohnraum schafft es aber nicht. Entscheidend ist für Adrian nicht die Höhe der Baukosten, sondern der Bodenpreis. Wer in der Schweiz eine Wohnung sucht, erlebt einen anderen Markt als jemand, der schon lange in seiner Wohnung lebt. Corina Schena von gfs.bern belegt den Gegensatz mit Zahlen: Laut der Nationalen Wohnstudie sind rund 70 Prozent der Bevölkerung mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden. Im Sorgenbarometer 2025 nennen 24 Prozent der Befragten steigende Wohnkosten als eines der fünf grössten Probleme. Einen Grund sieht Adrian darin, dass Leute, die nach dem Auszug der Kinder günstig auf zu viel Fläche wohnen, nicht umziehen, wenn eine kleinere Wohnung teurer wäre. Diese Fehlallokation trifft Familien, die in der Stadt suchen. Beim Thema serielles Bauen und Bodenanteil hält Adrian fest: Bauen kostet überall in der Schweiz ähnlich viel, Standardisierung bringt gewisse Kostenvorteile. An der Zürcher Zypressenstrasse baut Implenia Büros zu 55 Wohnungen um, die Baubewilligung kam nach viereinhalb Monaten. Weiter geht es um missbräuchliche Einsprachen und den Wunsch nach Planbarkeit. In der Verantwortung sieht Adrian auch die Landverkäufer, etwa Erbengemeinschaften: Sie könnten Land für vielleicht 20 Prozent weniger an Projekte mit mehr preisgünstigem Wohnraum verkaufen. Im Podcast erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer Transkript zur Episode 00:00:00 Offsprechergfs.echo, der Podcast von gfs.bern mit Lukas Golder und Corina Schena. 00:00:11 LukasWillkommen bei gfs.echo. Die Staffel zu Mieten, Wohnen, Mietpreisen, die zunehmend beschäftigen. Und bei uns zu Gast ist vom Marktführer Schweiz, Implenia, der Head Division Buildings, Adrian Wyss, herzlich willkommen bei uns. 00:00:28 AdrianDanke vielmals. 00:00:29 LukasEin Projekt, von dem wir haben lesen können, ist die Zypressenstrasse in Zürich. 55 Wohnungen sind entstanden, vorher ist es Büroraum gewesen. Wenn du dir das so ein bisschen anschaust, was ist der Hebel, um wirklich Wohnungen zu machen? Sind es eher Verfahren oder sind es die eigenen Planungs- und Bauweisen? 00:00:48 AdrianIch glaube, Umnutzung von Büro zu Wohnen ist ein Ansatz, der hilft, das Wohnraumangebot zu schaffen, der hilft, Wohnungen an zentralen Lagen zu schaffen, wie das Beispiel, das du erwähnt hast, die Zypressenstrasse in Zürich. Es ist noch nicht gebaut, aber es ist in Realisierung. Es ist ein Projekt, das ein Büro gewesen ist, und mit schlauen, intelligenten Konzepten kann man weiterbauen, kann man verdichten an diesem Standort, kann aufstocken, kann die Bürofläche umnutzen in Wohnen, kann den Bestand erhalten, kann eine gute CO2-Bilanz erreichen und hat schlussendlich auch ein modernes Wohnangebot, das ein kleiner Baustein ist, der das Angebot erweitert an einem guten, attraktiven Standort in der Stadt Zürich. 00:01:34 LukasCorina Schena, du hast ein bisschen die Studienlage von uns, Wohnstudien, aber auch die anderen Studien angeschaut. Was ist dir am meisten aufgefallen? 00:01:43 CorinaWas mir wirklich geblieben ist, ist so ein spannender Gegensatz, den wir beobachten können. Einerseits bei der nationalen Wohnstudie sehen wir, dass eine sehr, sehr hohe Zufriedenheit da ist mit der eigenen Wohnsituation. Rund 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung sagt, dass sie sehr zufrieden ist. Es gibt einen Wert von 8, 9 oder 10 auf einer 10er-Skala, das ist … sehr gut, aber wir sehen natürlich auch im Sorgenbarometer, dass die Sorge rund um die steigenden Wohnkosten immer grösser wird. Wir sehen es: Im Jahr 2025 nennen 24 Prozent der Befragten steigende Wohnkosten als eines der grössten fünf Probleme. Und das ist natürlich etwas, das bes

14 Oct 2026
Integrationsalltag in Ostermundigen: Warum die Begegnungsorte der Gemeinde viele Familien kaum erreichen
Social Media prägt die Werte von Kindern stärker, als viele Eltern denken. Das gilt auch für Familien, die sich als moderate oder nicht praktizierende Muslime verstehen. Das sagt Aliki Panayides, Vizepräsidentin des Gemeinderats Ostermundigen und Präsidentin der dortigen Fachkommission Integration. Ostermundigen hat laut Aliki rund 18'000 Einwohnerinnen und Einwohner, 30 Prozent davon sind Ausländerinnen und Ausländer. Viele seien seit Jahren gut integriert. In den letzten Jahren seien aber Wertefragen in Schule und Alltag wichtiger geworden. Darüber müsse man in der Integrationsarbeit früher oder später auch reden, nicht nur über Sprache. Im Gespräch mit Lukas Golder und Jenny Roberts geht es auch um Fairness im Vollzug. Laut Aliki stört es gerade Ausländerinnen und Ausländer, die nach Ablauf ihres Ausweises ausreisen, wenn andere trotz Wegweisung bleiben. «Bin ich blöd?», fragten sie dann. Die Gemeinde könne weder Papiere beschaffen noch Wegweisungen selbst vollziehen. Sie sei auf Kanton und Bund angewiesen. Positiv beurteilt Aliki die verbindlichen Integrationsvereinbarungen: Wo die Gemeinde Sprachkurse vorschreiben kann, funktioniere es. Freiwillige Empfehlungen würden dagegen oft nicht umgesetzt. Beim Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer bleibt das SVP-Mitglied bei «zuerst einbürgern, nachher mitbestimmen». Ostermundigen reserviert zwar Kommissionssitze für ausländische Vertreterinnen und Vertreter, und alle sind besetzt. Bei Geschäften wie einer Überbauungsordnung sei das Interesse aber begrenzt. In der Folge erwähnte Studien: UBS-Sorgenbarometer gfs.bern, VOX-Nachanalyse zur Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative (Juni) Transkript zur Episode 00:00:00 Offsprechergfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:15 LukasWillkommen bei gfs.echo. Heute zu Gast in der Staffel Migration und Asyl, Vizepräsidentin des Gemeinderats Ostermundigen, Vorsteherin öffentliche Sicherheit, Präsidentin der Fachkommission Integration von Ostermundigen, Aliki Panayides, herzlich willkommen. 00:00:31 AlikiVielen Dank für die Einladung. 00:00:33 LukasAliki, du bist auch SVP-Mitglied, in diesem Sinne auch für die «10-Mio.-Schweiz»-Initiative eingestanden. Nach dem Nein, was überwiegt, Enttäuschung oder die Überzeugung, dass man jetzt umso konsequenter den Vollzug der bestehenden Rechtsformen pflegen muss? 00:00:49 AlikiDas Problem ist nicht vom Tisch, nur weil die Abstimmung so rauskommt, wie sie rauskommt. Es ist nicht der erste Versuch der SVP zu zeigen, man muss etwas machen im Bereich Migration. Es geht nicht so weiter. Aber jetzt bleiben wir einfach dran. Wir auf der Gemeinde sowieso. Wie sind die, welche das ausbaden, schlussendlich, was auf eidgenössischer oder kantonaler Ebene entschieden wird. Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht. 00:01:14 LukasDu hast vom Ausbaden gesprochen. Du siehst, dass in vielen Bereichen der Problemdruck auch im Alltag sehr konkret ist. Wie ist das im Alltag? Überwiegt die Lust, gestalten zu können? Oder hast du manchmal auch den Eindruck, es ist ein Problem etwas viel? 00:01:30 AlikiJa, man wäre am falschen Ort in der Politik oder im Gemeinderat, wenn man frustriert wäre und sagen würde, man kann nichts machen. Natürlich probieren wir, das Beste aus der Situation zu machen. Wir schauen, wie wir mit den Möglichkeiten, die wir auf der Gemeindeebene haben, dafür sorgen, dass Integration noch funktioniert, auch mit dem ständig steigenden Ausländeranteil in der Schweiz. Das ist auch in unserer Gemeinde so. Was natürlich aber verrückt ist, wenn man von übergeordneten Behörden her blockiert wird, wenn man sieht, da wären Wegweisungen hängig. Die finden nicht statt. Die Leute sind immer noch hier, müssten die Schweiz verlassen. Der Kanton und der Bund sagen, es sei einfach blockiert, wir können nichts machen. Das ist schon schwierig für uns auf der Gemeinde. Aber wir versuchen, es zu handhaben, das sind einzelne Fälle. Wir sind für alle anderen hier, wir sc

30 Sept 2026
Verfahrensdauer als Hürde: Warum der Kanton Bern Deutschkurse vor den Asylentscheid vorzieht
Am Migrationsdiskurs stört Sarah Zemp das Bashing der Geflüchteten: Hinschauen müsste man auf die Schlepperbanden, die sich auf Kosten und Leid von Menschen goldene Nasen verdienen. Und: Die Flüchtlingskonvention sei nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben worden und passe nicht mehr zur Realität — man müsste über die Bücher. Sarah Zemp ist stellvertretende Amtsvorsteherin und Stabschefin im Amt für Integration und Soziales des Kantons Bern und war ein Jahr für die EU-Kommission auf den Ägäis-Inseln Samos, Kos und Leros im Einsatz. Im Gespräch mit Lukas Golder und Jenny Roberts benennt sie den Punkt, an dem der Kanton ansteht: die Verfahrensdauer. Der gesetzliche Integrationsauftrag gilt für Menschen mit Bleibeperspektive — solange der Status nicht entschieden ist, kann Bern kaum investieren. Deshalb fördert der Kanton neu bereits Personen im laufenden Verfahren, mit Sprachkursen und Ausbildungszentren im Aufbau: «Man kann Leute nicht einfach über Jahre in diesem luftleeren Raum hängen lassen.» Aus Samos berichtet Sarah von Containersiedlungen ohne durchgehende Wasserversorgung, ausgelegt auf Monate, in denen Menschen wegen schleppender Verfahren teils Jahre bleiben. Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Integration: Geflüchteten habe man dort lieber Englisch beigebracht als Griechisch — für bessere Chancen in Westeuropa, obwohl sie in Griechenland Asylschutz erhalten hatten. Bei der Flüchtlingskonvention will sie nicht von roter Linie reden, hält sie aber für nicht mehr zeitgemäss: geschrieben nach dem Zweiten Weltkrieg, heute nicht mehr passend zu Fluchtmotiven und Realität — Stichwort Schutzstatus S für die Ukraine gegenüber vorläufig aufgenommenen Personen aus anderen Ländern. Dazu kommt die Mechanik des Berner Systems: regionale Partner betreuen Geflüchtete fünf bis sieben Jahre, bevor die Gemeinden übernehmen; die Neustrukturierung NA BE läuft seit 2020 und ist derzeit in der Evaluation. Und ein Ärgernis, das Sarah offen ausspricht: Der Diskurs ziele auf die Geflüchteten, während die Schlepperbanden, die auf Kosten und Leid von Menschen Geschäfte machen, kaum im Blick seien. Jenny Roberts ordnet die VOX-Nachanalyse zur abgelehnten 10-Millionen-Initiative und den OECD-Bericht zur Integration ein. Im Podcast erwähnte Studien: UBS-Sorgenbarometer VOX-Nachanalyse zur Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative OECD-Bericht zur Integration von Geflüchteten in der Schweiz Transkript zur Episode 00:00:00 Offsprechergfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 LukasHerzlich willkommen bei gfs.echo, die Staffel zu Migration und Asyl und heute ganz fest Asyl. Bei mir zu Gast ist Sarah Zemp. Sie ist stellvertretende Amtsvorsteherin und Stabschefin in dem Amt für Integration und Soziales vom Kanton Bern. Herzlich willkommen. 00:00:28 SarahMerci vielmals fürs Dasein. 00:00:30 LukasDu bist aber auch für die EU-Kommission ein Jahr jetzt in der Ägäis gewesen, auf Griechenland, und hast dort Koordination hautnah erlebt. Und du hast erlebt, wie Flüchtlinge das erste Mal europäischen Boden betreten. Wenn du jetzt dort an diese Erinnerungen denkst, was hat dein Blick auf das Schweizer Asylsystem für immer verändert? 00:00:50 SarahWas ich für mich so ein bisschen mitgenommen habe, ist, glaube ich, trotz unterschiedlichen Kontext, sei es jetzt in Samos, Griechenland oder in der Schweiz, im Kanton Bern, haben wir doch gewisse strukturelle Herausforderungen, die wir teilen. Ich denke jetzt da zum Beispiel an die Instandhaltung der Infrastruktur von einem Flüchtlingslager, von Vertragsmanagement von Dienstleistenden, aber auch einfach vom Zusammenleben von Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen, die dann in so einem Camp aufeinandertreffen. 00:01:15 LukasJenny, du hast die Details auch von der Schweiz ein bisschen angeschaut, die Debatte in der Schweiz verfolgt, den Schweizer Blick. Was ist dir am meisten aufgefallen in letzter Zeit? 00:01:26 JennyWas in der Schweiz in den letzten

16 Sept 2026
Zu Fuss über alle Grenzen: eine Kindheit auf der Flucht von Srebrenica nach Sion
Ein Genozid falle nicht vom Himmel, sagt Sedina Delić-Tanović in gfs.echo: Am Anfang stehe die Banalisierung der Worte über die anderen. Die Srebrenica-Überlebende sagt aber auch, sie sei einverstanden damit, dass die Schweiz nicht alle aufnehmen könne — eine Kombination, die viele überrascht. Sedina Delić-Tanović floh als Kind aus Bosnien und wuchs in Sion auf. Im Gespräch mit Lukas Golder und Jenny Roberts über das gfs.bern-Sorgenbarometer, in dem Migration und Asyl seit Jahren zu den grössten Sorgen zählen, ordnet sie ihre Position selbst ein: Wie andere westliche Länder könne die Schweiz nicht alle aufnehmen, die Plätze seien begrenzt. Das überrasche die Leute oft, wenn sie es sage. Ihre Bedingung: Transparenz über Kapazitäten, saubere Unterscheidung der Gruppen — Arbeit, Schutz, Klima — und eine würdige Aufnahme. Zugleich beschreibt sie, warum sie politische Sprache genau beobachtet. Das damalige Jugoslawien sei in der Wahrnehmung eine der fünf Weltmächte gewesen; niemand habe sich vorstellen können, was folgte. Die extreme Gewalt, die sie überlebt hat, sei das Ende eines Prozesses gewesen, der mit dem Blick und den Worten über die anderen begann. Angstpolitik sei deshalb auch in der Schweiz ein sehr gefährliches Signal. Persönlich bleibt ein Widerspruch offen: In Sion habe sie nie Rassismus erlebt — und dann kamen Abstimmungsresultate, bei denen sie sich fragte, wer dafür stimmt. In der Folge erwähnte Studien: UBS-Sorgenbarometer Transkript zur Episode 00:00:00 LukasGuten Tag an alle, willkommen bei gfs.echo, unserer Podcast-Reihe über Migration. Heute haben wir das grosse Vergnügen, Sedina Delić-Tanović begrüssen zu dürfen. Vielen Dank, dass du heute bei uns bist. Als Kind bist du während des Krieges aus Srebrenica geflohen, jetzt bist du wieder nach Bosnien zurückgekehrt, aber aufgewachsen bist du in Sitten. Danke für deine Anwesenheit. 00:00:38 SedinaVielen Dank Ihnen für diese Einladung. 00:00:41 LukasSedina, Wenn man über Migration spricht, spricht man danach vor allem über Zahlen, über Kontingente, über Grenzen, aber ansonsten, wie soll ich sagen, was ist für dich Heimat? 00:00:56 SedinaHeimat, Heimat ist etwas, das unmittelbar das Herz berührt, es ist ein starkes Zugehörigkeitsgefühl, es bedeutet, ein Land zu lieben, aber es bedeutet auch, sich von diesem Land angenommen und wiedergeliebt zu fühlen. Ich denke also, dass ich heute das Glück habe, sagen zu können, dass ich zwei Heimaten habe. 00:01:15 LukasDu bist am Ende in Sion ebenso gut aufgenommen worden, wie du erklärt hast. 00:01:20 SedinaJa, genau. Bei mir waren es meine Integration, meine Ankunft in Sion und die ganze Entwicklung meines Lebens dort – das hat am meisten dazu beigetragen, jedenfalls zum Aufbau meiner Identität. Es ist mein Leben dort, das es mir ermöglicht hat, mich mit meiner Identität, die vielfältig ist, wohlzufühlen. Ehrlich gesagt habe ich mich, noch bevor ich mich als Schweizerin oder überhaupt als Bosnierin gefühlt habe, als Sittenerin gefühlt, dann als Walliserin, und ich habe sehr viel Zeit, sehr viele Jahre gebraucht, um meine Geschichte anzunehmen und zu begreifen, dass meine Identität vielfältig ist; das ist etwas, das ich hier gelernt habe, denn die Schweiz an sich ist plurikulturell, mehrere Sprachen, mehrere verschiedene Kulturen unter derselben Flagge. Es ist die Tatsache, tatsächlich in Sion aufgewachsen zu sein, die es mir ermöglicht hat, mich damit wohlzufühlen und im Gegenzug auch die Akzeptanz zu spüren. 00:02:21 LukasPerfekt, apropos Zahlen: Das ist ja normalerweise deine Rolle, Jenny, du schaust dir die Zahlen an, vor allem unsere Meinungsumfragen, aber auch andere Studien – was hat dich beim Thema Migration beeindruckt? 00:02:33 JennyWir sehen insbesondere in unserem Sorgenbarometer, das wir seit vielen Jahren durchführen, dass die Themen einerseits Migration, aber auch Asyl seit ziemlich langer Zeit zu den grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer gehören, das war auch letztes Jahr der Fall, und wi

2 Sept 2026
Michael Siegenthaler (KOF/ETH): Wenn wir die Zuwanderung senken wollten, müssten wir das Stellenwachstum bremsen.
Eine Million neue Erwerbstätige in 15 Jahren – ohne Zuwanderung wäre dieses Wachstum nicht möglich gewesen, sagt Arbeitsmarktforscher Michael Siegenthaler. Wer die Zuwanderung senken will, müsse deshalb am Stellenwachstum schrauben: höhere Unternehmenssteuern, abwandernde Firmen, weniger Steuereinnahmen. Einen schmerzfreien Hebel gebe es nicht. Michael Siegenthaler leitet den Forschungsbereich Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH. Bei gfs.echo rechnet er vor, wie eng Beschäftigungswachstum und Zuwanderung zusammenhängen: Innerhalb von 15 Jahren kamen in der Schweiz eine Million neue Erwerbstätige dazu – «wo wären die hergekommen, wenn nicht aus dem Ausland». Mit der Verrentung der Babyboomer entsteht ein riesiger Ersatzbedarf; das inländische Potenzial bei Müttern, den über 60-Jährigen oder Geflüchteten reicht dafür nach seiner Einschätzung nicht aus. Kommt in den nächsten zehn Jahren erneut eine Million dazu, geschieht das zu grossen Teilen über Zuwanderung. Daraus folgt für Michael der zentrale Zielkonflikt: Die Steuerung ist heute arbeitsmarktgetrieben – Firmen schaffen Stellen, die Stellen ziehen Menschen an. Wer die Zuwanderung reduzieren will, muss am Stellenwachstum schrauben und in Kauf nehmen, dass Stellen ins Ausland abwandern, dass wertschöpfungsintensive Unternehmen und Steuersubstrat verloren gehen. Einen schmerzfreien Hebel gibt es nicht. Die Personenfreizügigkeit taugt dafür weniger als gedacht: Nach KOF-Schätzungen gehen nur etwa ein Viertel, maximal ein Drittel der Nettozuwanderung auf sie zurück. Die Schutzklausel hält Michael deshalb für «mehr ein politisches Instrument». Überraschend ist der Befund zu den Einheimischen: Erwartet wurde Druck auf die Hochqualifizierten, gemessen wurde deren Aufstieg. Zugewanderte steigen unten ein, Ansässige übernehmen im gleichen Betrieb eine Teamleitung – in den ersten zehn Jahren nach der Grenzöffnung waren die vermeintlichen Verlierer die Gewinner. Dazu: flankierende Massnahmen ohne Forschungsgrundlage, jedes 20. Arbeitsverhältnis unter Lohnkontrolle, und die Prognose, dass die Zuwanderung in rund 30 Jahren stark zurückgehen dürfte. In der Folge erwähnte Studien: UBS-Sorgenbarometer The Abolition of Immigration Restrictions and the Performance of Firms and Workers: Evidence from Switzerland KOF Ökonomenumfrage Arbeitsmarktbeschränkungen für Geflüchtete Transkript zur Episode 00:00:02 Offsprecher«gfs.echo», der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:10 Lukas Golder«gfs.echo», der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. Willkommen bei «gfs.echo», die Staffel zu Migration und Asyl. Diesmal ein Forscher zum Thema, vor allem Arbeitsmarkt und Migration im Arbeitsmarkt. Gast ist Michael Siegenthaler. Er ist ETH-Professor und Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle. Herzlich willkommen, Michael. 00:00:30 Michael SiegenthalerVielen Dank für die Einladung. 00:00:33 Lukas GolderDu hast selber zur Personenfreizügigkeit eine Publikation herausgegeben, die heisst «Wachstumsmotor mit Nebenwirkungen». Wenn du jetzt schaust, wie die Debatte um die 10-Millionen-Schweiz gelaufen ist, hat dich überrascht, wie stark die Nebenwirkungen im Vordergrund stehen? 00:00:50 Michael SiegenthalerNein, Zuwanderung ist ein sehr politisches Thema, das wird stark beackert von allen Seiten. Es ist auch ein Thema, das den Leuten unter den Nägeln brennt. Es ist ja so, dass wir eine hohe Zuwanderung in die Schweiz haben und es ist seit 20 Jahren ein Dauerbrenner und entsprechend war es nicht so überraschend, dass jetzt auch wieder diese Initiative so hochgekocht wurde, dass auch die Themen natürlich so stark beackert wurden von allen Seiten und entsprechend geht es viel auch um politische Befindlichkeiten und wenig um Volkswirtschaft zum Teil. 00:01:19 Lukas GolderDu hast die Studienlage ein bisschen genauer angeschaut, Jenny, genau auch in diesem Kontext. Was ist dir besonders

20 Aug 2026
Bunderat Beat Jans nach dem Nein zur 10-Millionen-Initiative: Wie er Asyl, Wohnen und Integration angeht
Was folgt auf das Nein zur 10-Millionen-Initiative? Bundesrat Beat Jans spricht über Wohnungsdruck, Steuerung der Zuwanderung, Verschärfungen im Asylwesen und Arbeitsmarktintegration. Weitere Themen: Schengen/Dublin, Ceuta und die Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Gemeinden. In der Folge erwähnte Studien:UBS-Sorgenbarometer VOX-Analyse zur Abstimmung über die 10-Millionen-Initiative OECD-Bericht zur Arbeitsmarktintegration in der Schweiz Transkript zur Episode 00:00:02 Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:09 Lukas Herzlich willkommen bei gfs.echo, der Staffel zu Migration und Asyl. Und wer würde sich besser eignen als der zuständige Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements? Herzlich willkommen, Bundesrat Beat Jans. 00:00:25 Beat Jans Grüezi Herr Golder, grüezi Frau Roberts, grüezi miteinander. 00:00:28 Lukas Sie haben einen grossen Einsatz geleistet im Kampf gegen die 10-Millionen-Initiative der SVP. Jetzt nach dem Nein: Was überwiegt denn, die Erleichterung über das Nein? Oder dass jetzt erst recht sozusagen für den Bundesrat Druck da ist, zu handeln? 00:00:45 Beat Jans Ich würde vor allem sagen, dass es ein Sieg für die Demokratie war. Das zeigt unter anderem auch die Nachwahlbefragung. Die Auswertung mit der VOX-Analyse zeigt, dass die Bevölkerung sehr differenziert argumentiert hat. Sie hat einerseits ein Bekenntnis dazu abgegeben, dass die Schweiz weiterhin auf dem bilateralen Weg unterwegs sein will. Wir wollen keine Unsicherheiten schaffen. Wir wollen mit diesem Deckel kein Instrument einführen, das ein Experiment ist. Sie hat aber auf der anderen Seite auch gesagt: Wir bleiben bei der humanitären Tradition der Schweiz, das bleiben wir. Aber im Asylbereich zum Beispiel gibt es Handlungsbedarf. Und noch mehr Handlungsbedarf, hat sie gesagt, gibt es im Bereich der Infrastruktur, bei der Engpassbeseitigung im öffentlichen Verkehr und bei den Wohnungen. Dort ist der allergrösste Handlungsbedarf. Die steigenden Preise, vor allem in den urbanen Zentren bei den Mieten, da wünscht die Bevölkerung, dass der Bundesrat etwas macht. Und so gesehen war das ein Zwischenhalt und ein Bekenntnis, aber auch ein Auftrag an den Bundesrat, in verschiedenen Richtungen weiterzuarbeiten. Der Bundesrat hat ja schon vor der Abstimmung Vorschläge gemacht in diesen Bereichen. Und diese wird er jetzt weiter behandeln, wird er auch weiter im Parlament verteidigen. 00:02:14 Lukas Jenny, du hast die Studie, die VOX, nochmals so genau angeschaut. Was ist dir besonders aufgefallen? 00:02:20 Jenny Ja, es sind dort verschiedene Punkte ganz spannend. Einerseits hat man gesehen, die 10-Millionen-Schweiz-Vorlage ist von der Bedeutung her sehr überdurchschnittlich wahrgenommen worden. In der laufenden Legislatur ist das die Vorlage, der von der Bevölkerung die höchste mittlere Bedeutung zugewiesen worden ist. Gleichzeitig, Sie haben es schon ein wenig angesprochen, Herr Bundesrat, gibt es von der Argumentation her eine sehr hohe Zustimmung in der Stimmbevölkerung zum Thema Überlastung durch Zuwanderung bei verschiedenen Infrastrukturbereichen, also Wohnen, Verkehr, Spitäler beispielsweise: 77 Prozent stimmen grundsätzlich zu. Und sehr interessant ist, dass es auch bei denen, die zur Initiative Nein gestimmt haben, doch 62 Prozent sind. Man sieht, dass es bei den konkreten Vorschlägen der SVP ein klares Nein gab, aber die Problemdiagnose scheint doch von den Stimmenden geteilt zu werden. Zumindest in Teilen. Was ist jetzt ganz konkret die Therapie, die der Bundesrat hier vorschlägt? 00:03:16 Beat Jans Im Bereich Wohnungsnot haben wir Vorschläge bereits vor der Abstimmung gemacht. Wir haben gesehen, dass das das drängendste Problem ist, und haben gesagt, wir wollen den Fonds de roulement aufstocken. Das ist ein Instrument, das den Kantonen und den Gemeinden ermöglicht, gemeinnützigen Wohnbau zu schaffen und auch einen erschwinglichen Wohnbau zu schaffen.

6 May 2026
Swissgrid über Solarboom, Netzausbau, Smart Grid und das EU-Stromabkommen als Schlüssel für Versorgungssicherheit
Solarboom, Netzausbau, Einsprachen und EU-Stromabkommen: In der Folge geht es darum, wo das Schweizer Stromnetz unter Druck gerät, weshalb Bewilligungsverfahren zum Engpass werden und welche Rolle europäische Vernetzung für Versorgungssicherheit und Netzbetrieb spielt. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025 Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:03 Sprecher: gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 Lukas: Hallo zusammen, herzlich willkommen zur zweiten Staffel zur Energiepolitik bei gfs.echo. Die letzte Episode, jetzt reden wir über das Netz. Und nach all den Gesprächen, die wir jetzt über Energie geführt haben, Jenny, wenn du in Solarenergie investieren könntest, nach all diesen unsicheren Elementen, würdest du im Moment bereit sein, heute zu sagen: Wenn ich könnte, würde ich investieren? 00:00:35 Jenny: Ja, ich glaube, wir haben schon gesehen in den verschiedenen Gesprächen, die wir geführt haben, dass Solar für sich allein natürlich nicht ausreichen wird, um die Energiewende in der Schweiz abzudecken, aber dass es doch eine der wichtigen Technologien sein wird und tendenziell wichtiger wird. In diesem Sinne, für mich persönlich ist es eine etwas hypothetische Frage, weil ich sowieso in einer Mietwohnung lebe, aber grundsätzlich habe ich schon das Gefühl, dass das etwas ist, was ich mir durchaus überlegen könnte. 00:00:59 Lukas: Viele Private werden immer mehr zu Stromproduzentinnen und Stromproduzenten. Im Hintergrund geht es sehr stark ums Netz und darum freut es mich sehr, dass Thomas Reinthaler, Head of National & International Relations bei Swissgrid, heute zu Gast ist bei uns. Herzlich willkommen. 00:01:18 Thomas: Merci, dass ich hier sein darf. 00:01:20 Lukas: Wir sprechen über das Stromnetz, das sogenannte unsichtbare Rückgrat, von dem man spricht, wenn es um den Umbau in Richtung erneuerbare Energie geht. Hier sind die Stichworte Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Diese Stichworte stehen im Raum und wir sprechen davon, dass das Stromnetz der Flaschenhals der Energiewende ist. Ist das wirklich ein grosses Problem oder eine Herausforderung? 00:01:45 Thomas: Also Stromnetz ist wirklich die Drehscheibe, die eigentlich dann Produktion und Verbrauch verknüpft auf allen Ebenen. Von dem her ist das Bild des Rückgrats oder der Drehscheibe wirklich sehr passend. Swissgrid betreibt ja das Höchstspannungsnetz, das heisst, auch wenn man vor allem bei der Photovoltaik, vor allem von der Dezentralisierung spricht, braucht es auch dieses Rückgrat analog zu einer Autobahn, wo man über grosse Distanzen viel Kapazität transportieren kann. Und damit die Rolle von diesem Rückgrat auch wahrgenommen werden kann, muss man das natürlich auch ausbauen und instand halten und modernisieren können. Damit wir das auch in Zukunft wahrnehmen können und für einen sicheren, stabilen Netzbetrieb sorgen. 00:02:27 Jenny: Gerade bei dem Stichwort Dekarbonisierung, das ist auch etwas, was wir aus dem Versorgungssicherheitsmonitor von uns wissen, dass sehr viele Stimmenberechtigte sehen. Einerseits sind die Erneuerbaren natürlich eine Klimaschutzmassnahme, aber auch eine Möglichkeit, um die Energieabhängigkeit vom Ausland zu verringern, gerade bei den fossilen Energien. Jetzt aus Sicht von Swissgrid, wie stark muss das Netz eigentlich ausgebaut werden, um in Zukunft beispielsweise mit mehr Solar- oder Windenergie klarzukommen? 00:02:54 Thomas: Also ich glaube, in der Öffentlichkeit herrscht oft das Gefühl, dass wir überall ganz viele neue Leitungen bauen. In Wirklichkeit ist es eigentlich so, dass wir im Grossteil von unserem Netzausbau eigentlich bestehende Leitungen erneuern oder auf bestehenden Leitungen die Kapazität erhöhen. Das müssen wir machen. Wir haben letztes Jahr gerade unser sogenanntes strategisches N

22 Apr 2026
Energieökonomin Regina Betz: Warum es für den Umbau des Energiesytems "Stick and Carrot" braucht
Warum scheitern Windprojekte genau dort, wo der Ausbau stattfinden soll? Wie gross ist die Winterstromlücke tatsächlich, und hilft die neue Kernkraftdebatte überhaupt weiter? Diese Folge dreht sich um Akzeptanz vor Ort, den Ersatz fossiler Heizungen und die Frage, welche Energiepolitik in der Schweiz praktisch umsetzbar ist. Aufgezeichnet am 2.3.2026 In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025 Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:02 Sprecher: gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 Lukas: GFS Echo, die zweite Staffel. Diesmal zur Energiepolitik. Wir wollen es akademisch genauer wissen. Was uns beschäftigt, mich wenigstens, Jenny, ist, dass es bei der Energiepolitik auf der Bundesebene viel Klimainnovation gibt. Man will mehr Erneuerbare, man will sogar beschleunigen. Und wenn man dann umsetzt, zum Beispiel in meinem Kanton Solothurn, 2018 und 2025, wurde die Umsetzung beide Male abgelehnt. Ich habe das Gefühl, da ist das NIMBY-Phänomen im Spiel. Je näher das kommt, desto kritischer und konkreter wird es. 00:00:44 Jenny: Ich denke, dein Eindruck täuscht nicht. Wir sehen es einfach auf dieser Grundsatzebene, gerade in unseren Umfragen, beispielsweise beim Versorgungssicherheitsmonitor. Es gibt viel grundsätzliche Zustimmung für ganz verschiedene Arten von erneuerbaren Energien, die man ausbauen möchte in der Schweiz. Aber ich sehe es wie du. Es gibt verschiedene Abstimmungen, zuletzt gerade in Solothurn, wo man sieht, sobald es um die konkreten Projekte geht, wird es viel schwieriger, eine mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung zu bekommen. 00:01:12 Lukas: Wir wollen es genauer wissen. Dafür ist Professorin Regina Betz heute unser Gast. Herzlich willkommen. 00:01:19 Regina: Danke für die Einladung. Ich freue mich auch, hier zu sein. 00:01:21 Lukas: Super. Du bist für Klima- und Energieökonomie die Expertin der ZHAW. Die basale Frage, die naheliegende: Energie und Umwelt, Klimawirksamkeit, Umweltschutz – geht das überhaupt zusammen? 00:01:37 Regina: Ja, also im Strombereich geht es sehr gut zusammen. Also wenn wir angucken, in welche Richtung wir uns bewegen, die Erneuerbaren werden immer billiger. Und die Erneuerbaren sind die, die auch ökologisch und für den Klimaschutz am wichtigsten sind. Also insofern, das geht gut zusammen. 00:01:57 Lukas: Und die ganz grosse Frage, die sich dort anschliesst, eher Anreize setzen, Lenkungsabgaben machen oder mit Gebot und Verbot arbeiten? 00:02:06 Regina: Also ich würde sagen, das kommt drauf an. Wenn man die Technologien hat, dann kann man auch auf Verbote gehen. Wenn man aber die Technologie noch gar nicht hat, muss man erstmal vorsichtig mit Anreizen, Investitionen in diese Technologien fördern. Erst wenn man so weit ist, kann man sagen, und jetzt kommen die Elektroautos und jetzt kommt praktisch ein Phase-Out der fossilen Verbrennungsmotoren, weil ich einfach die Alternative schon da habe, aber das kann ich nicht von vornherein machen. Und natürlich dann kommen auch noch die Verteilungseffekte, also wer verliert, wer gewinnt, das ist natürlich politisch auch immer noch wichtig. 00:02:48 Lukas: Wir haben ja genau bei den Innovationen doch recht viele Unsicherheiten und unschärfere, graue Bereiche, auch bei den Umsetzungen in der Schweiz. Sind wir aber da grundsätzlich auf dem richtigen Weg oder gibt es Problembereiche, wo man genauer hinschauen müsste? 00:03:04 Regina: An welche Innovationen denkt ihr? 00:03:07 Lukas: Meine Meinung wäre, wenn du das Gefühl hast, mit Elektromobilität sind wir schon so weit, könnte man sogar schneller vorwärts gehen. Gibt es andere Bereiche, wo man sagt, da müssen wir wirklich noch abwarten? Windenergie wäre ein Beispiel, wo ich den Eindruck habe, in der Schweiz sind wir noch nicht so weit. 00:03:23 Regina: Also ich glaube, die Windenergie

8 Apr 2026
Christoph Brand, Axpo-CEO, über Winterstrom, Windkraft, Gaskraft und die Frage, wie die Schweiz Versorgungslücken schliessen soll
Wie schliesst die Schweiz die Winterstromlücke: mit mehr Windkraft, Gaskraftwerken, neuen Kernkraftwerken oder Importen? In der Folge geht es um die Grenzen von Solar im Winter, den schweren Stand von Windturbinen und die Frage, wie stark die Schweiz beim Strom auf Europa angewiesen bleibt. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 Axpo Energy Reports gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025 https://www.gfsbern.ch/de/news/versorgungssicherheit-schweiz-2025/ Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:00 Sprecher: gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 Lukas: Herzlich willkommen in der zweiten Staffel von gfs.echo zur Energiepolitik. Heute sprechen wir von der Seite der Erzeuger. Heute wollen wir mehr erfahren, wie dort die Zukunft aussieht. Und in diesem Zusammenhang, Jenny, hat Axpo eine Studie veröffentlicht mit zwei Hauptszenarien. Was hat dich an dieser Studie am meisten überrascht? 00:00:34 Jenny: Ja, bei diesen zwei Szenarien, über die wir später noch im Detail sprechen werden, spielt bei beiden tatsächlich die Gaskraft eine wichtige Rolle. Wir haben jetzt viele Diskussionen über Netto-Null und die Erneuerbaren geführt, und dass hier die Gaskraft so prominent vorkommt, war für mich zumindest in den ersten Minuten eine Überraschung. 00:00:56 Lukas: Also einige Überraschungen zu diskutieren. Eben mit der Person, die die grösste Verantwortung bei der Axpo trägt, vom grössten Erzeuger auch. Und die Studie auch publiziert hat. Also wir waren zum Teil auch überrascht. Und das war zum Teil, glaube ich, eigentlich auch ein Ziel. Herzlich willkommen, Christoph Brand. 00:01:12 Christoph: Danke. 00:01:13 Lukas: Wir haben eigentlich so als Leitthema die Sorgen der Bevölkerung bei der Energie, bei der Energiepolitik, bei der Stromversorgung. Und dort ist uns aufgefallen in den Vorbereitungen, wir sprechen immer mehr über die Winterstromlücke, die Stromversorgung in 10, 20 Jahren. Muss man sich Sorgen machen um diese Versorgung? 00:01:31 Christoph: Ja und nein. Man muss sich nicht Sorgen machen, im Sinne von, dass wir keine Möglichkeiten hätten, sicherzustellen, dass wir immer genug Strom haben, die haben wir. Wir haben weder ein technisches noch ein monetäres Problem. Aber ja, man muss sich Sorgen machen, wenn die Blockadehaltung nach dem Motto «Ich will nichts sehen, will nichts hören, es darf nichts kosten» weitergeht, dann werden wir in ein Problem laufen. 00:01:51 Jenny: Von der Bevölkerung aus gesehen ist das ein Thema, das die Meinungen spaltet. Wir haben in unserem Versorgungssicherheitsmonitor etwa die Hälfte der Bevölkerung, die die Versorgungssicherheit durchaus mit Sorgen betrachtet, die andere Hälfte, die etwas entspannter ist in dieser Hinsicht. Sicher ist, dass es ein Thema ist, das grosse Priorität hat innerhalb der Energiefrage. Was mich sehr wundern würde, ist aus Sicht der Stromversorger: Was sind die grössten Risiken bezüglich der Versorgungssicherheit, die ihr in den nächsten Jahren vermutet? 00:02:19 Christoph: Ja, es gibt eigentlich, wenn man so will, ein grosses Risiko. Heute ist der Strom... Also, erstens geht es ja um Energie und zweitens geht es um Strom. Das ist mal nicht das Gleiche. Aber die Idee ist ja, dass wir elektrifizieren wollen. Das heisst, wegkommen von fossilen Brennstoffen. Das bedeutet mal a priori, dass wir mehr Strom brauchen. Und jeder, der zu Hause eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, weiss, worüber ich rede. Das bedeutet, es braucht mehr Strom. Gleichzeitig gibt es ein Bevölkerungswachstum und, und, und. Wir gehen davon aus, dass der Stromverbrauch der Schweiz wachsen wird. Von vielleicht etwa 60 Terawattstunden heute auf etwa 90. Vielleicht etwas weniger. Jetzt gibt es Studien, die sprechen von 120. Es gibt Studien, die sprechen von nur 80. Aber dass es quasi flach bleibt, wenn plötzlich alle Elektroautos fahren und Wärme

25 Mar 2026
Braucht die Schweiz neue AKW? WWF-Experte Patrick Hofstetter über Winterstrom, Solar und das Stromnetz
Wie gross ist die Winterstromlücke wirklich? Was machen Negativpreise mit der Solardebatte? Und wie viel Netzausbau braucht es tatsächlich? In dieser Folge diskutieren Lukas Golder, Jenny Roberts und Patrick Hofstetter über Versorgungssicherheit, politische Fehlanreize und die Frage, warum die Schweizer Energiedebatte oft an den falschen Stellen hitzig wird.In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025 https://www.gfsbern.ch/de/news/versorgungssicherheit-schweiz-2025/ Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:03 Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 Lukas Die zweite Staffel zur Energiepolitik. Da haben wir einen ganz grossen Umbau beschlossen. Wo stehen wir da, Jenny? 00:00:21 Jenny Ja, also grundsätzlich haben wir ja schon vor einigen Jahren, 2017, hat das Stimmvolk ja gesagt zur Energiestrategie 2050, also Erneuerbare werden da sicher eine grosse Rolle spielen in der Zukunft, aber ich habe dennoch den Eindruck, viele Projekte bei den Erneuerbaren, von denen man in den Medien liest, ja, habe ich den Eindruck, dass es dort ein bisschen staut tatsächlich. 00:00:42 Lukas Wir haben den WWF-Experten für Energie- und Klimapolitik zu Gast. Herzlich willkommen, Patrick Hofstetter. 00:00:51 Patrick Guten Tag miteinander. 00:00:53 Lukas Vor ungefähr zehn Jahren ist der Ausstieg in die Strategie eingezimmert worden. Heute und in zehn Jahren, wenn man das mit einem Ampelsystem zusammenfassen möchte, wo stehen wir, wenn rot, orange, grün, wo waren wir vor zehn Jahren mit diesem Umbau in der Schweiz, mit der Energiepolitik, der Energieumbau in Richtung erneuerbar, wo stehen wir heute und wo stehen wir in zehn Jahren? Wie ist die Farbe? 00:01:17 Patrick Ja, die Farbe ist wahrscheinlich, wenn wir die letzten zehn Jahre anschauen, recht grün. Wenn wir hingegen nach vorne schauen, dann ist sie im besten Fall orange. Das heisst, es ist noch sehr ungewiss, wie gut wir die Ziele, die wir uns neu gesetzt haben, auch erreichen können. Aber das Legacy, was wir jetzt gemacht haben in den letzten zehn Jahren, das ist bereits gewaltig. Wir haben im Strombereich ein AKW Mühleberg stillgelegt und längst ersetzt durch neue Kapazitäten. Wir sind in wenigen Jahren auch dran, Betznau, das wir ja erst Anfang der 30er-Jahre abschalten wollen, bereits ersetzt zu haben. Die letzten zwei Winter haben wir mehr Strom exportiert als importiert. Obwohl man ja immer sagt, wir hätten ein Winterstromproblem. Das heisst, im Moment wächst die Stromproduktion stärker als der Verbrauch. Das ist aber dann auch wieder eine schlechte Nachricht. Das heisst, beim Ersatz von Öl- und Gasheizungen mit Wärmepumpen, die dann Strom brauchen, das läuft im Moment recht harzig seit zwei Jahren. Das hat im Zusammenhang mit der Putin-Invasion einen riesigen Boom gegeben, ist dann jetzt aber wieder zurückgekommen. Ähnlich auch bei der Elektromobilität. Und das Ziel der Energiewende ist ja nicht die Energiewende in sich. Das hat keinen Wert in sich, sondern es geht eben darum, Öl, Gas, Benzin und Diesel zu ersetzen mit erneuerbaren Energien. 00:02:59 Jenny Du sagst, rückblickend sind wir doch eher im grünen Bereich, ab jetzt im besten Fall orange. Ein Thema, welches auch aus der Bevölkerungssicht sehr wichtig ist, ist, dass viele Leute das Gefühl haben, das gehe aktuell nicht genug schnell vorwärts mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Und es gibt auch aktuelle Mehrheiten in der Stimmbevölkerung, die sich auch vorstellen können, dass man die Beschwerdemöglichkeiten, die es gibt bei verschiedenen Projekten, bei den Erneuerbaren, einschränken kann, damit es auch schneller geht. Wie stehst du dazu? Müsste man da vielleicht Prozesse verkürzen in Zukunft? 00:03:38 Patrick Die mediale Aufmerksamkeit auf die Verzögerungen ist natürlich stark überhöht. Das hat verschiedenste

11 Mar 2026
Energieversorgung im Stresstest: Winterstrom, Solarboom und Kernenergie – mit Bundesrat Albert Rösti
Mehr Solarstrom, steigender Strombedarf und die Frage, wie die Schweiz im Winter genügend Energie bereitstellen kann: Die Energiepolitik steht vor grundlegenden Herausforderungen. Bundesrat Albert Rösti spricht über negative Strompreise, den Ausbau der erneuerbaren Energien, mögliche Engpässe im Winter und die Rolle von Kernernergie in der zukünftigen Stromversorgung. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 gfs.bern Monitor Versorgungsicherheit 2025 https://www.gfsbern.ch/de/news/versorgungssicherheit-schweiz-2025/ Bericht zu den Perspektiven der Atomkraft Politikfolgeabschätzung Schweizerische Energiestiftung Transkript zur Episode 00:00:02 – Sprechergfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 – LukasDie neue Staffel gfs.echo, jetzt geht es um die Energie, jetzt geht es um das Ganze, mindestens um die Energieversorgung. Dort, Jenny, haben wir viele verschiedene Entscheidungen erlebt. Wir hatten die Energiestrategie 2050, wir hatten zuletzt mehrmals über den Pfad Richtung mehr Erneuerbare abgestimmt. Wie ist dein Eindruck? Gehen die Leute davon aus, dass die Stromversorgung sicher ist in der Schweiz in zehn Jahren? Oder sind wir da noch nicht so richtig sicher? 00:00:40 – JennyJa, also da gehen die Meinungen der Stimmberechtigten tatsächlich recht auseinander. Es gibt ungefähr eine Hälfte der Stimmbevölkerung, die eher pessimistisch unterwegs ist, sich zu diesem Thema Sorgen macht. Circa die andere Hälfte sieht das ein bisschen lockerer. Aber was man sicher sagen kann, ist, dass das Thema Versorgungssicherheit sehr hohe Priorität hat. Also bei 45 Prozent der Stimmbevölkerung ist das wirklich die höchste Priorität im Thema Energie- und Stromversorgung. 00:01:07 – LukasDann schauen wir mit der Person, die politisch die höchste Verantwortung in diesem Energiebereich hat. Herr Bundesrat Albert Rösti, herzlich willkommen bei uns im Podcast. 00:01:16 – Bundesrat RöstiDanke für die Einladung, ich bin gerne hier. 00:01:19 – LukasJa, jetzt haben wir eben gesehen, dass eigentlich so ein bisschen Unsicherheit schon auch da ist, aber wenn man ein bisschen genauer hinschaut, dann kommt sehr schnell das Stichwort Winterstromlücke auf. Wir laufen dort potenziell, selbst mit dem Umbau, der jetzt vorangeht, wo man auch die Weichen national gestellt hat, laufen wir dort in einen Engpass, den vielleicht die Leute ein bisschen unterschätzen. Oder haben wir ein Problem, das wir noch nicht richtig verstehen? 00:01:44 – Bundesrat RöstiIch würde sagen, das Problem ist verstanden, aber die Lösung zu finden, ist sehr schwierig. Also das ist sicher die grösste Herausforderung: die Versorgungssicherheit im Winter. Vor allem gegen Ende des Winters, also Februar, März. Dann sind die Speicherseen langsam geleert. Dann noch genügend Strom zu haben, das ist eine grosse Herausforderung. Es gibt noch nirgends eine Patentlösung, überschüssigen Sommerstrom, namentlich von den Solaranlagen, in den Winter zu transportieren. Jetzt ist es schon so: Die Solaranlagen geben zum Teil auch im Winter Strom, ein Viertel bis ein Drittel. Die, die einen Speicher haben, noch besser. Dann können sie auch noch, wenn es schneit, von diesem Strom nutzen. Aber die grosse Menge an Bandstrom fehlt natürlich im Winter. Vor allem, wenn wir je länger je mehr Strom brauchen. Weil wir dekarbonisieren, aus der fossilen Energie aussteigen. Darum ist der Zubau von Winterstrom absolut prioritär. Das ist in meinem Departement das Wichtigste, ich werbe fast täglich dafür. Winterstrom ist vor allem Wasserkraft, mehr Speicherkraftwerke, damit man in Zeiten von Stromüberschuss Wasser hochpumpen kann, damit man dann eben diese Reserven hat. Windanlagen haben es sehr schwer in der Schweiz, aber würden auch mehr Winterstrom geben. Und tatsächlich läuft dieser Zubau deutlich zu langsam. 00:03:08 – LukasAlso eben, beim Wind haben wir den Widerstand, wir haben Initiativen, dort haben wir die Hürden, wo die Akzeptanz häufig ein

23 Dec 2025
Jahresend-Special: Kostensorgen und Vertrauenskrise – warum das Sicherheitsgefühl in der Schweiz wankt
Zum Jahresende blickt gfs.echo, der Podcast von gfs.bern, auf die grossen Spannungen und Trends des politischen Jahres zurück. Lukas Golder spricht mit Cloé Jans (Senior-Projektleiterin, verantwortlich fürs Sorgenbarometer) und Urs Bieri (Co-Leiter gfs.bern, «Wie geht’s Schweiz?») – begleitet von Jenny Roberts – darüber, warum Kostendruck aktuell so vieles überlagert, wie sich Sorgen und Vertrauen gleichzeitig verschieben und weshalb geopolitische Unsicherheit das Sicherheitsgefühl auch in der Schweiz stärker prägt, als es lange der Fall war. In der Folge erwähnte Studien: UBS Sorgenbarometer 2025 «Wie geht’s, Schweiz?» ETH-Sicherheitsstudie «Sicherheit 2025» Transkript zur Episode 00:00:02 Off-Sprecher gfs.echo, der Podcast von gfs.bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 Lukas Festtagsspecial. Heute ist der Podcast ein bisschen eine Spezialausgabe. Ich freue mich sehr darauf. Chloé Jans ist neben mir. Sie ist Senior-Projektleiterin und für das Sorgenbarometer zuständig. Wenn ich von Co-Leiter rede, ist das Urs Bieri eben der Co-Leiter, der «Wie geht's Schweiz?» für die SRG zum Beispiel macht. Und Jenny ist wie immer bei mir. Sie hat auch ein bisschen andere Studien angeschaut. Und der Eindruck ist für mich, es war ein Jahr der Widersprüche. 00:00:39 Jenny Ja, also du und ich haben uns in den letzten Monaten natürlich stark mit dem Thema Gesundheitspolitik beschäftigt, im Rahmen der ersten Staffel von gfs.echo und mich dünkt schon auch, also vor allem bei einem Punkt, der sich durchgezogen hat, habe ich immer wieder Widersprüchlichkeiten gesehen und das ist die ganze Kostenfrage. Also wir haben einerseits die Bevölkerung, die sich ein super Gesundheitssystem weiterhin wünscht, mit viel Innovation und gleichzeitig verfolgt uns auch die Kostenfrage und es stellt sich die Frage, inwiefern wir das in Zukunft in den Griff kriegen. 00:01:08 Lukas Prämien waren die Top-Sorge in den letzten Jahren. Wie sieht es im Moment aus bei den Sorgen? 00:01:13 Cloé Ist auch dieses Jahr wieder an erster Stelle. Natürlich auch vor dem Hintergrund von Gesundheitsversorgung. Man möchte, wie du gesagt hast, Jenny, das Wichtigste und das Beste haben. Aber natürlich vor allem auch im Zusammenhang mit der Kostenfrage. Die Prämienlast drückt. Das sieht man ja auch bei diversen politischen Anliegen. Es sind nicht nur die Gesundheitskosten, die das Thema sind. Wohnkosten reden wir auch immer wieder darüber, stimmen wir ab. Und im Sorgenbarometer haben wir auch gesehen, zum Beispiel plötzlich Sparen, Staatskosten sind auch ein Thema. Also Kosten, definitiv eines der Themen 2025. 00:01:46 Lukas Die Sorgen stehen ja auch ein bisschen im Zentrum bei diesem Barometer. Man fragt ganz konkret, was ist das dringendste politische Problem? Aber es ist auch ein Vertrauensteil da, in diesem Sorgenbarometer. Ist das auch wieder so ein Widerspruch, immer mehr Sorgen um die eigene Situation finanziell, aber auf der anderen Seite wenig Vertrauen? 00:02:07 Cloé Ja, also ich glaube, was man als Erstes sagen muss, trotzdem, dass man weniger Vertrauen in das politische System im Bundesrat vor allem dieses Jahr hat, es gab ja auch recht viel Dissonanz aus dem Bundeshaus dieses Jahr, ist es so, dass das Vertrauen international vor allem immer noch recht hoch ist. Und was ich eben vor allem auch einen Widerspruch finde, das ist etwas, wo man vielleicht auch gleich den Urs einbeziehen könnte, weil seine Studie habe ich geklaut aus der "Wie geht's Schweiz?"-Studie. Dort hat es mich mega spannend gedünkt, dass die Leute eigentlich sagen, Kosten sind ein Thema, es stresst mich, es bedrückt mich, es sorgt mich. Aber eigentlich gibt es nicht so viele in der Schweiz, die wirklich, wirklich unter prekären ökonomischen Umständen leben. Und das ist auch quasi die Dringlichkeit, die gesellschaftliche, die das Thema hat und die individuelle Situation sind auch ein bisschen andere. 00:02:54 Urs Also ich finde genau das spannend, wenn

10 Dec 2025
Zu viel Vorschriften, zu wenig Zeit für Patient:innen? FMH-Präsidentin Yvonne Gilli über Bürokratie & Digitalisierung
Bürokratie frisst Zeit, die eigentlich den Patient:innen gehören sollte. Gleichzeitig sollen DigiSanté, neue Tarife und die Ambulantisierung das System effizienter machen – in einem Umfeld, in dem der Ärztemangel immer spürbarer wird. FMH-Präsidentin Yvonne Gilli spricht Klartext über Mikroregulierung, digitale Versprechen, Fehlanreize und die Frage, was es braucht, damit Ärztinnen und Ärzte ihren Beruf auch in Zukunft sinnvoll ausüben können. In der Folge erwähnte Studien: Begleituntersuchung FMH Transkript zur Episode 00:00:13 LukasHerzlich willkommen zu gfs.echo, dem Podcast von gfs.bern, der die wichtigen Themen des Sorgenbarometers aufnimmt. In dieser Staffel geht es um das Gesundheitswesen. Und heute ein Thema, das ganz tief ins Gesundheitswesen geht, nämlich Bürokratisierung. Jenny, Bürokratisierung ist sicherlich für die Ärzteschaft ein ganz grosses Thema. Du hast ein wenig reingeschaut in die letzte FMH-Begleitforschung. Was ist dort herausgekommen? 00:00:36 JennyJa, es ist auf jeden Fall ein Thema. Zum Beispiel geben in der praxisambulanten Ärzteschaft die Leute im Schnitt an, dass sie fast eine Stunde pro Tag damit verbringen, Vorgaben von Behörden und Versicherungen einzuhalten. Das ist doch ein relativ beträchtlicher Anteil des Arbeitsalltags. Das sind so Geschichten ... wie Anfragen bei der Rechnungsstellung oder auch Berichte für Erwerbsausfallversicherungen. Gleichzeitig ist es natürlich so: Die Versicherungen unterliegen selber auch verschiedenen behördlichen Vorgaben. Darum ist es nicht nur ein Problem von einzelnen Prozessen, sondern wirklich insgesamt ein Problem des Systems mit dieser Bürokratisierung. 00:01:17 LukasJa, schauen wir einfach in das System hinein. Und da haben wir die bestmögliche Gästin, auch die oberste Ärztin der Schweiz, die aber eben selber auch im ambulanten Bereich lange als Ärztin tätig war. Herzlich willkommen, Yvonne Gilli. Wir haben in diesem Bereich der Bürokratisierung recht viel Kritik im Umfeld der FMH. Sie sprechen von fortschreitender Mikroregulierung und dysfunktionaler Bürokratie. Was sind die Probleme mit dieser Bürokratisierung für die Ärzteschaft? 00:01:49 YvonneJa, die sind natürlich ganz vielschichtig. Also das eine ist der Arbeitsaufwand. Also: Was gibt es für Schreibarbeiten oder für Abfragearbeiten zu machen, die man nicht als sinnvoll anschaut im Hinblick auf die Kerntätigkeit? Also das heisst Behandlung, Diagnosestellung, Begegnung mit dem Patienten und der Patientin. Und das hat natürlich zugenommen in den letzten 20 Jahren, bis hin dazu, dass eben ein zu grosser Teil der Arbeitszeit dann auch ineffizient verbracht wird, weil wir ja auch zu wenige Ärzte und Ärztinnen haben. Und dazu gehören zum Beispiel Versicherungsanfragen. Und Ärzte und Ärztinnen reagieren in der Regel auch ganz negativ, wenn das Wort fällt. Es ist aber so, wie es auch schon gesagt wurde: Auch Versicherungen werden kontrolliert, und das heisst, vieles, was in der Gesetzgebung eben an Rahmenbedingungen festgehalten ist und nachher im Detail in der Verordnung geregelt wird, das schlägt dann eben über die Versicherer letztendlich an das Endglied der Kette zurück, und das ist dann der Arzt oder die Ärztin, die dann diese Arbeiten erledigen muss und oft gar nicht merkt, dass das im Hintergrund einen ganz anderen Anfang hatte und die Versicherung auch nur ein Zwischenglied ist dazwischen. Also ein Beispiel sind begrenzte Zulassungen von Medikamenten. Also ich nehme jetzt ein Beispiel von einem Betäubungsmittel, weil mir das jetzt einfach gerade spontan einfällt: Leute, die an einem Hyperaktivitätssyndrom erkranken – und das wächst sich ja nicht einfach aus –, die haben als Kinder eine Diagnose und brauchen dann als Erwachsene oft Medikamente wie Ritalin, das bekannteste, eben situativ immer noch. Und dann kommt eine Kostengutsprache, eine Anfrage von der Krankenkasse: Können Sie uns dokumentieren, dass diese Diagnose schon in der Kindheit gestellt wurde? Und wenn es dann auch noch

3 Dec 2025
Novartis Schweiz-CEO David Traub: «Pharma-Forschung ist ein Hochrisiko-Geschäft»
Wie viel Pharma braucht die Schweiz – und zu welchem Preis? Lukas Golder und Jenny Roberts sprechen mit David Traub, CEO von Novartis Schweiz, über Kritik an Medikamentenpreisen, lange Wartezeiten auf neue Therapien, Innovationsdruck und politische Regulierung. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Interessen von Patient:innen, Öffentlichkeit, Politik und Industrie überhaupt austarieren lassen – und was das für die Zukunft des Gesundheitsstandorts Schweiz bedeutet. Im Podcast zitierte Studien: Swiss eHealth Barometer UBS Sorgenbarometer EFPIA Patients W.A.I.T. Indicator 2024 Survey Transkript zur Episode 00:00:12 LukasHerzlich willkommen bei gfs.echo, dem Podcast von gfs.bern, wo wir die drängendsten Probleme gemäss Sorgenbarometer beleuchten, in dieser Staffel Gesundheitspolitik. Heute haben wir einen ganz besonderen Akteur zu Gast, nämlich die Pharmaindustrie. Eine Pharmaindustrie, die nicht den einfachsten Stand in der öffentlichen Meinung hat. 00:00:31 JennyDas ist so, ja. Aus dem Gesundheitsmonitor unter anderem wissen wir, dass die Stimmbevölkerung einerseits Pharma als sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Schweiz anerkennt, als wichtigen Arbeitgeber. Gleichzeitig gibt es auch verschiedene Herausforderungen, gerade so im Bereich Medikamentenpreise und grundsätzlich Kosten im Schweizer Gesundheitswesen. Das ist etwas, was viele Leute beschäftigt. 00:00:53 LukasJa, zu Gast ist der CEO von Novartis Schweiz. Herzlich willkommen, David Traub. 00:00:58 DavidMerci viel Mal. 00:00:59 LukasJenny hat es schon etwas angekündigt, das ist eine relativ komplexe Rolle. Auf der einen Seite wäre die Einstiegsfrage in einem Satz, wo die Pharma heute steht und was die grössten Herausforderungen sind, wenn wir über die Schweiz und das Gesundheitssystem sprechen. 00:01:16 DavidJa. Die Schweiz und ihre Pharmaindustrie war eine einmalige Erfolgsgeschichte über die letzten Jahrzehnte. Im Moment würde ich sagen, wir stehen im Prinzip nach wie vor an einem starken Ort, was den Wirtschaftsfaktor angeht, was die Zusammenarbeit im Ökosystem angeht. Aber wir sind natürlich unter Druck und das betrifft am Schluss nicht nur uns als Pharmaindustrie, auch vor dem Hintergrund der jüngsten internationalen Entwicklungen, sondern wir machen uns grosse Sorgen um einerseits den Wirtschaftsstandort, aber was mich persönlich noch mehr beschäftigt, ist die Versorgung von Patientinnen und Patienten in der Schweiz mit modernen Medikamenten. Die hat sich verschlechtert in den letzten Jahren. Und wenn wir sehen, was jetzt international passiert, dann besteht tatsächlich das Risiko, dass sich die Erosion noch deutlich beschleunigen könnte. 00:02:04 LukasAlso innenpolitisch und aussenpolitisch viel zu diskutieren. Und irgendwo hat man bei der Pharma immer wieder das Herzstück, eben die innovativen Therapien, gerade bei der forschenden Pharmaindustrie, wo man darüber spricht. Jetzt ist aber in letzter Zeit oft Kritik gekommen, dass es eigentlich nur noch kleine Schritte sind, fast Pseudo-Innovationen, wo man aber einen sehr hohen Preis dafür verlangt. Ist dieser Fortschritt in den letzten Jahren ein bisschen abgedämpft worden? Ist gar nicht mehr so viel möglich? Ist die Zitrone ausgepresst? 00:02:32 DavidIch bin froh, dass Sie mir diese Frage stellen, weil ich muss sagen, ich sehe das diametral anders. Ich bin selber Arzt, ich habe bis vor 20 Jahren in der Klinik gearbeitet. Und ich muss sagen, wenn ich jetzt zurückschaue, in den frühen 2000er Jahren, als ich im Kantonsspital Liestal als Assistenzarzt unterwegs war, im Vergleich zu heute, es gibt eine enorme Anzahl von Krankheiten, die sich gar nicht mehr gleich manifestieren, für Patienten gar nicht mehr die gleiche Bedeutung haben, wie zu seiner Zeit. Wenn ich Ihnen ein paar Beispiele nennen sollte, einfach um konkret zu werden. Von potenziell tödlichen Erkrankungen wie Krebs oder HIV, viele Krebsarten von HIV ganz zu schweigen, chronisch behandelbar, man kann damit leben. Chronische Erkrankungen wieder

26 Nov 2025
Psychiaterin Esther Pauchard: "Zu viel Anspruch, zu wenig Kapazität. Die 100%-Illusion im Gesundheitswesen"
Stress, Perfektionismus und die Frage: Wie bleiben wir handlungsfähig – persönlich und im System? Lukas Golder und Jenny Roberts sprechen mit der Psychiaterin Esther Pauchard über realistische Erwartungen (oft reichen 70 %), die Verwechslungsgefahr von Krise und Krankheit, und warum Schonung und Vermeidung selten stärken. Pauchard plädiert für offene Gespräche am Arbeitsplatz, entstigmatisiert Diagnosen ohne sie zu romantisieren und zeigt, wie wir die «Tragenden» im Gesundheitswesen schützen. In der Folge erwähnte Studien: Krebsversorgungsmonitor Begleituntersuchung FMH Schweizerische Gesundheitsbefragung (BFS) CSS-Gesundheitsstudie Transkript zur Episode 00:00:12 LukasHerzlich willkommen. Fokusthema Gesundheit. Jenny, das Gesundheitswesen ist unter Druck. Wir sind aber auch als Gesellschaft irgendwo insgesamt immer mehr unter Druck. 00:00:24 JennyJa, ich habe auch diesen Eindruck. Zumindest ist es ein Thema, das ich auch häufig in meinem persönlichen Umfeld bespreche. Wir reden oft darüber, wie es den einzelnen Leuten geht, aber auch uns allen als Gesellschaft. Die psychische Gesundheit ist sicher auch ein grösseres Thema. Aber auch Stress ist ein grosses Stichwort. Unter anderem wissen wir aus der Gesundheitsbefragung vom BFS, dass mittlerweile im Vergleich zu vor zehn Jahren fast ein Viertel der Leute in der Schweiz sagen, dass sie regelmässig Stress am Arbeitsplatz erleben. Ich denke, es sind ganz verschiedene Themen, die wichtig sind und auf die ich mich freue, im heutigen Gespräch zu vertiefen. 00:01:04 LukasReden wir mit der Psychiaterin darüber. Herzlich willkommen, Esther Pauchard. 00:01:09 EstherMerci vielmals. 00:01:09 LukasWir haben über eine Gesellschaft geredet, die sich im Stress fühlt, aber du selber hast eigentlich schon als Kind sehr viel Zeit im Spital verbringen müssen, mit einem Hüftleiden von Geburt an. Und du hast nachher als Mutter und bereits in einer Führungsfunktion als Psychiaterin auch noch eine Krebsdiagnose ertragen müssen. Ist es dir selber in diesem Moment zu viel geworden? 00:01:33 EstherNicht zu viel, aber es hat mich hübsch herausgefordert. Es hat mir ehrlicherweise sehr gut getan, mich einmal auf der anderen Seite des Pults wiederzufinden. Nicht immer auf dieser Seite als Behandlerin, sondern eben als Patientin. Ich habe extrem viel gelernt. Was ich heute aber im Nachhinein sagen kann: Es hat mich auch sehr, sehr gestärkt. Ich will es nicht missen. Es hat mehr aus mir gemacht, als ich vorher war. 00:01:54 JennyDu hast ja schon die Unterstützung von deinem Mann erwähnt, gerade in dieser schwierigen Phase. Etwas, was wir dank dem Krebsmonitor wissen, den wir unter anderem durchführen, ist, dass grundsätzlich in der Schweiz Leute, die betroffen sind von Krebsdiagnosen, das Gefühl haben, die Versorgung habe eine recht hohe Qualität. Also man ist insgesamt ziemlich zufrieden. Wenn es aber Punkte gibt, die man noch verbessern könnte, nennen die Leute öfter mal die Unterstützung der Betroffenen selber und für ihre Angehörigen, was den psychischen Bereich anbelangt. Hast du das auch so erlebt, dass du dir dort eigentlich mehr Unterstützung gewünscht hättest? 00:02:33 EstherIch kann es nicht so sagen, aber es ist noch schwierig. Wir sind halt Selbstversorger. Das macht die Situation ein bisschen schwierig. Ich finde eher, dass die Angebote von der Psychoonkologie her recht ausgebaut sind. Mir wurde dort ganz viel angeboten, das ich hätte nutzen können, das ich aber nicht brauchte. Ich denke, in den allermeisten Fällen, sei es bei einer Krebsdiagnose oder sonst bei belastenden Lebensumständen, arbeiten wir selber oder miteinander – mit Angehörigen, mit Freunden, mit Leuten rundherum. Das habe ich dann gemerkt. Ich habe wirklich den Eindruck gehabt, dass meine Leute so wie ein Ring um mich schlossen. Und das habe ich ganz stark empfunden. Ich habe immer gedacht: Alleine alles schaffen – easy. Das hat mir sehr gut getan. Darum habe ich den dritten Kreis, den profess

19 Nov 2025
Sarah Wyss, Nationalrätin: "Präventionspolitik lohnt sich für PolitikerInnen nicht"
Prävention, Psychiatrie, Krankenkassen: Realitätscheck im Schweizer Gesundheitswesen Diese Woche haben Lukas Golder und Jenny Roberts Nationalrätin Sarah Wyss zu Gast. Sie reden über: Warum Prävention chronisch unterfinanziert bleibt und welche Anreize tatsächlich wirken. Wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie entlastet werden kann – inklusive einer nüchternen Zwischenbilanz zum Anordnungsmodell. Und ob über 40 Krankenkassen Effizienz schaffen oder vor allem Verwaltung produzieren. Im Podcast zitierte Studien: Sorgenbarometer Krebsversorgungsmonitor Präventionsmonitor Transkript zur Episode 00:00:02 SprecherGFS Echo, der Podcast von GFS Bern. Mit Lukas Golder und Jenny Roberts. 00:00:12 LukasHerzlich willkommen zu GFS Echo, dem Podcast von GFS Bern zu den wichtigsten und brennendsten Themen in der Schweizer Politik.In dieser Staffel geht es um das Gesundheitswesen insgesamt.Bei der Bevölkerung stehen häufig die Kosten im Vordergrund.Heute reden wir aber mehr über die Gesundheitsversorgung – vor allem die psychiatrische – und auf der anderen Seite über Prävention.Ein Thema, das im politischen System nicht so oft diskutiert wird. 00:00:41 JennyJa, da täuscht der Eindruck in Bezug auf die Bevölkerung nicht.Wir wissen aus dem Präventionsmonitor, dass die Leute in der Schweiz am ehesten auf der individuellen Ebene denken, wenn es um Prävention geht: Ich ernähre mich etwas gesünder, mache etwas Sport – solche Sachen.Und erst in zweiter Linie denken wir an strukturelle, politische Massnahmen, wobei die genauso wichtig wären. 00:01:04 LukasHeute wird es politisch.Wir haben eine Nationalrätin hier, die sowohl im Bereich Kosten – nämlich als Präsidentin der finanzpolitischen Kommission – aber eben auch im Bereich Gesundheitsversorgung tätig war, selber im Management in der Psychiatrie, und in der Kommission, die sich um Gesundheitsfragen kümmert.Nationalrätin Sarah Wyss von der SP, herzlich willkommen. 00:01:25 SarahDanke für die Einladung, ich freue mich darauf. 00:01:27 LukasBei der Prävention kann man fast sagen, es steht ein Wunschtraum im Raum: dass man gleichzeitig die Kosten senken und die Versorgung, die Gesundheit der Bevölkerung, verbessern kann.Ist es ein Wunschtraum? 00:01:39 SarahIch glaube, die Prävention ist wirklich für die Menschen da.Am Schluss wollen wir doch alle, dass die Menschen nicht krank werden.Und was du, Jenny, gesagt hast, ist richtig: Einerseits beginnt die Prävention im Alltag bei jedem.Aber man muss den Menschen ein Rucksäckchen mitgeben, damit sie sich auch so verhalten können.Dieses Rucksäckchen ist die institutionelle – oder ein Teil der institutionellen – Prävention.Da fällt mir auf: Beim Gesamtvolumen des Gesundheitswesens, also rund 90 Milliarden, geben wir gerade einmal 1,4% für Prävention aus.Für die Verwaltung geben wir 4,4% aus.Für Prävention, die all diese Kosten eigentlich reduzieren könnte, geben wir so wenig Geld aus.Da sieht man, dass das Interesse an Prävention leider nicht so gross ist.Vielleicht kann ich ausführen, warum.Alle sagen, die Menschen sollen gesund bleiben, sollen gesund werden.Für jeden einzelnen Leistungserbringer wäre das das Ziel.Aber das Gesamtsystem lebt von Krankheit.Wenn Menschen nicht krank sind, verdient fast niemand im Gesundheitswesen etwas.Das ist ein Grundproblem unseres Finanzierungsmodells. 00:02:50 LukasAber da kommen die Kosten sehr schnell ins Spiel, weil Prävention, so wie du es beschreibst, kostet natürlich.Wir haben Screening-Programme, die zum Teil hinterfragt werden, und man weiss nicht mehr, wer warum zahlen soll.Man weiss: Im Prinzip muss man investieren, man soll mehr investieren.Wieso sollten die Kosten runtergehen? 00:03:12 SarahDie Kosten gehen nicht heute runter – das ist vielleicht das Problem der Politik.Wenn wir heute Vorsorgeuntersuchungen machen oder klassische Primärprävention, etwa Plakatkampagnen, ist es nicht so, dass ich sofort gesund werde oder heute nicht erkranke.Über eine längere Frist stärkt das die psychische Gesund

12 Nov 2025
Katrin Crameri, BAG: "Wir wollen weg von digitalen Silolösungen"
Digitalisierung im Gesundheitswesen – mit Katrin Crameri (Fachleiterin DigiSanté, Co-Abteilungsleiterin Digitale Transformation beim BAG) EPD, E-Rezept, Praxisinformationssysteme: Wo es heute hakt – und wie es besser wird. Lukas Golder und Jenny Roberts sprechen mit Katrin Crameri über den Gesundheitsdatenraum: welche Basisdienste der Bund aufbaut, welche Standard- und Interoperabilitätsvorgaben kommen und warum mittelfristig auch gesetzliche Verbindlichkeit nötig ist – sie schafft Investitionssicherheit für Softwareanbieter und entlastet Fachpersonen. Konkrete Anwendungsfälle (E-Rezept, Medikationsplan, Spitalaustrittsbericht) zeigen, wie weniger Doppelerfassung und weniger Medienbrüche zu mehr Patientensicherheit führen. Im Podcast erwähnte Studien: Swiss eHealth Barometer 2025 Transkript zur Episode 00:00:12 LukasJa Jenny, heute haben wir ein Thema, bei dem ich, eigentlich seitdem ich mich darum kümmere, auch bei gfs.bern, viel Hoffnung drin habe. Aber manchmal ist es fast ein bisschen hoffnungslos. Das Thema ist Digitalisierung im Gesundheitswesen. Meine Hoffnung zum Beispiel ins EPD hat sich ein bisschen zerschlagen. Ich bin schon beim Onboarding-Prozess irgendwie nicht mehr weitergekommen. Da hat's mich immer rausgeschmissen in diesem Prozess. Ich habe nicht einmal ein EPD. Ich habe das Gefühl, die Schweiz ist hinten drin, wir kommen nicht vorwärts. 00:00:37 JennyAlso ich würde fast erwarten heutzutage, dass das meiste digital läuft im Gesundheitswesen. Vielleicht liegt das auch an meiner Generation. Aber ich kriege tatsächlich nicht so wahnsinnig viel davon mit. Also ich habe das Gefühl, es gibt schon noch viele Bereiche, wo man da Luft nach oben hat. Und ich kenne jetzt eher wenig Beispiele von Sachen im Gesundheitswesen, die schon rein digital ablaufen. 00:01:00 LukasIch glaube, dieser Eindruck von dir täuscht nicht. Wir haben aber jetzt eine Person, die geeignet ist, um das Thema nochmal ganz neu aufzurollen, um das Thema nochmal neu anzupacken und zu diskutieren. Das ist Kathrin Crameri. Sie ist die Fachleiterin von DigiSanté und Co-Abteilungsleiterin digitale Transformation beim Bundesamt für Gesundheit. Herzlich willkommen. Und wieso ausgerechnet die Digitalisierung in diesem Schweizer Gesundheitswesen, das so kompliziert funktioniert? 00:01:27 KatrinAlso der digitale Wandel, der vollzieht sich heute ja schon in allen unseren Lebensbereichen. Und die Frage ist doch eigentlich nur, inwiefern wollen wir ihn aktiv mitgestalten und ausrichten? Also ausrichten so, dass er einerseits mit den Werten und Prinzipien unserer Gesellschaft vereinbar ist und andererseits aber auch so, dass die entstehenden digitalen Lösungen unseren Bedürfnissen, unseren Erwartungen auch tatsächlich entsprechen und für uns als hilfreich wahrgenommen werden. Im Gesundheitswesen ist das so, dass ja hauptsächlich die Patientinnen und Patienten oder Bürgerinnen und Bürger von diesem digitalen Wandel profitieren sollen. Vor allem mit Blick auf eine noch bessere Gesundheitsversorgung oder noch bessere Prävention. Aber auch zum Beispiel mit Blick auf eine höhere Patientensicherheit. Gleichzeitig sollen ja aber auch unsere Gesundheitsfachpersonen und andere Akteure, die im Feld aktiv sind, durch die Effizienzsteigerung, die wir durch Digitalisierung ins System bringen, profitieren. Ihre Arbeit soll erleichtert werden. Wir wollen, dass sie wieder Zeit haben, sich um die Patientinnen und Patienten zu kümmern und nicht so viel Computerarbeit leisten müssen, nicht so viel administrativen Overhead haben, weil die Computer ihnen die Arbeit abnehmen, wenn wir das sauber digitalisiert haben. 00:02:43 LukasJetzt ist die Schweiz ein bisschen im Hintertreff, oder? 00:02:44 JennyJa, also eben, du sprichst es ja schon an, aber Digitalisierung, das passiert sowieso in den Schweizern. Wir wissen, wie du auch sagst, Lukas, aus den Daten vom eHealth-Barometer, die Bevölkerung ist sehr offen für Digitalisierung, auch im Gesundheitswesen, aber aktuell hat
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