3 Nov 2026
#219: Elterngeld 2027: bald 100 Euro mehr aber für weniger Monate
Die Bundesregierung will das Elterngeld umbauen, und der Referentenentwurf vom 27. Oktober 2026 klingt zunächst nach einem Plus. Das Mindest-Basiselterngeld soll von 300 auf 330 Euro steigen, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro (§ 2 BEEG). In dieser Folge schauen Christian Gebert und Steuerfabi genauer hin: Für viele Familien kann am Ende weniger Geld ankommen. Geplant ist ein 4+6+4-Modell. Jeder Elternteil bekommt vier Monate reserviert, sechs weitere Monate sind frei aufteilbar. Die Ersatzrate liegt in den ersten vier Bezugsmonaten bei 80 Prozent und danach nur noch bei 50 Prozent. Wer die Partnermonate nicht nutzt, verliert sie. Ein Elternteil kommt dann nur noch auf zehn statt zwölf Monate. Bei 2.000 Euro Elterngeld-Netto sind das im Beispiel der Folge 3.200 Euro weniger als heute (12 × 1.300 Euro gegenüber 4 × 1.600 Euro plus 6 × 1.000 Euro), obwohl der Höchstbetrag steigt. Dazu ordnen die beiden ein, ob die Reform eine Lenkung der Familienplanung ist, warum der Entwurf als “Mogelpackung” kritisiert wird und warum die Einsparungen im Haushalt trotzdem nicht klein sind. Der Entwurf rechnet für 2030 mit rund 1,3 Milliarden Euro Entlastung.
Positiv ist, dass Berechnung und Bezug einfacher werden sollen. Maßgeblich soll künftig das volle Kalenderjahr vor der Geburt sein, bei einer Geburt im Dezember 2027 also Januar bis Dezember 2026. Weihnachtsgeld und Leistungsprämien sollen mitzählen, was bisher an der Einordnung als sonstige Bezüge scheitert (§ 2c Abs. 1 Satz 2 BEEG). Die neuen Regeln sollen ab dem 1. November 2027 gelten, noch ist alles nur ein Entwurf.
Der zweite Teil der Folge ist die Gestaltungspraxis. Wer als Paar mehr als 175.000 Euro zu versteuerndes Einkommen hat, bekommt gar kein Elterngeld (§ 1 Abs. 8 BEEG). Entscheidend ist das zu versteuernde Einkommen, nicht das Brutto. Hier helfen ein Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG von bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten und die Sofortabschreibung digitaler Wirtschaftsgüter nach dem BMF-Schreiben vom 22. Februar 2022. Das MacBook-Beispiel gibt es als Augenzwinkern dazu. Weitere Hebel sind zusätzliche Altersvorsorgebeiträge (Riester, Rürup, ab 2027 das Altersvorsorgedepot) und die Vorauszahlung der Basis-Kranken- und Pflegeversicherung bis zum Dreifachen des Jahresbeitrags (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 5 EStG). Besprochen werden auch der Steuerklassenwechsel von V auf III, der als Elterngeld-Trick möglichst früh erfolgen sollte (§ 2c Abs. 3 BEEG), und die Frage, ob eine Sonderzahlung besser als laufendes Gehalt ausgezahlt wird. Provisionen können zählen, wenn sie lückenlos monatlich abgerechnet werden (BSG, 25.06.2020, B 10 EG 3/19 R). Vorsicht gilt bei der Gehaltsumwandlung, etwa bei der bAV oder beim Fahrrad-Leasing, weil sie die Bemessungsgrundlage senkt.
Selbstständige müssen die Zeit während des Bezugs genau planen. Bei der Einnahmenüberschussrechnung entscheidet der Zufluss (§ 4 Abs. 3, § 11 EStG), Honorare sollten also vor der Elternzeit eingehen. Im Bezug gelten pauschal 25 Prozent der Einnahmen als Betriebsausgaben, auf Antrag die tatsächlichen Kosten (§ 2d BEEG). Wer an Gesellschaften beteiligt ist, braucht eine Vereinbarung zum Gewinnverzicht (BSG, 13.12.2018, B 10 EG 5/17 R). Bei bilanzierenden Gesellschaften verlangt das BSG einen Betriebsvermögensvergleich für den Bezugszeitraum (BSG, 26.03.2026, B 10 EG 1/25 R). Auch der Dienstwagen kann das Elterngeld mindern, weil die Privatnutzung nach der 1-Prozent-Methode als Einnahme zählt. Zum Schluss fragen sich die beiden, ob eine hochbürokratische, gestaltungsanfällige Leistung für rund 7,5 Milliarden Euro im Jahr das beste Mittel ist, oder ob Eltern mehr Netto vom Brutto behalten und selbst vorsorgen sollten.
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