Im Podcast «Weltenblick – 60 Jahre Soziologie in Zürich» taucht die Journalistin und Soziologin Christina Caprez in die Geschichte der Soziologie in Zürich ein und entdeckt unglaubliche Geschichten: Wie die Soziologie durch die Rassenforschung eine mächtige Konkurrenz erhielt, wie der Institutsgründer 1966 die Welt ins provinzielle Zürich holte und wie sich die erste Professorin allein unter Männern behauptete.
Zürcher Soziolog:innen forschten schon früh zu Themen wie Globalisierung, Migration oder Medien und Demokratie, die bis heute hochaktuell sind. Zugleich standen Forschungsschwerpunkte immer im Spiegel der Zeit. Ehemalige Soziologiestudierende sind heute in unterschiedlichsten Berufsfeldern zu finden – im Journalismus, in der Entwicklungszusammenarbeit oder in einer Headhunter-Firma.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Soziologie bis heute im Herzen tragen und der soziologische Blick ihre Haltung prägt. Sie wissen: Heute braucht es die Soziologie mehr denn je!
«Weltenblick – 60 Jahre Soziologie in Zürich» ist ein Geschenk des soziologischen Instituts der Universität Zürich (SUZ) zu seinem Jubiläum, sechs Jahrzehnte nach der Gründung im Jahr 1966.
Wo steht das SUZ heute? An der Posterpräsentation der Bachelorstudierenden stossen wir auf erste erfolgreiche Forschungsprojekte an. Die Themenpalette ist breit – von der «Geschlechterlücke» in Führungspositionen über die Demokratieverdrossenheit auf dem Land bis hin zur Wahl der Krankenkassenfranchise.
13 Oct 2026
6 – Perspektiven entwickeln
Welche Perspektiven entwickeln Soziolog:innen nach Abschluss des Studiums? In dieser Folge erzählen Marc Herkenrath und Tabitha Gassner von ihrem Werdegang. Während sich Marc nach seinem Studium für eine Stelle beim entwicklungspolitischen Think Tank Alliance Sud entschied, ist Tabitha heute als Direktorin Soziale Einrichtungen und Betriebe Stadt Zürich eine der obersten Drogenverantwortlichen der Stadt.
6 Oct 2026
5 – Macht, Medien, Migration
In den 1990er-Jahren wurden Migration und Medien zu zentralen Themen des Instituts. Wie schon zuvor trugen Forscher:innen des SUZ dazu bei, polarisierte Debatten mit empirisch fundierten Argumenten zu versachlichen. Prägend waren dabei zwei Professoren: Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, einer der renommiertesten deutschsprachigen Migrationssoziologen, und Kurt Imhof, der damals in der Schweizer Öffentlichkeit präsent war wie kein anderer.
29 Sept 2026
4 – Allein unter Männern
Zwar waren Studentinnen am SUZ von Anfang an präsent, doch Karriere am Institut machten Männer. Auch in der 1968er-Bewegung waren männliche Studenten Wortführer. Mit Marlis Buchmann erhielt 1990 erstmals eine Frau eine Professur für Soziologie, zunächst an der ETH, 1994 dann in einer 50-50-Aufteilung als Doppelprofessorin an der ETH und Universität Zürich.
22 Sept 2026
3 – Zwischen Korrelation und Revolution
Die Studierenden der ersten Generation waren genauso an der Uni anzutreffen wie auf der Strasse. Die frühe SUZ-Geschichte ist mit der 1968er-Bewegung eng verflochten, am Institut entstanden Studien zur Jugendbewegung, zur Wirtschaftsmacht grosser Schweizer Konzerne und zur Diskriminierung von Frauen. Die aktionsorientierte Forschung passte Erziehungsdirektor Alfred Gilgen jedoch nicht. Legendär sein Anruf am Institut mit der Forderung, das SUZ solle gefälligst «mehr Korrelation, weniger Revolution» machen. Das SUZ stand unter Beobachtung, viele Studierende und Forschende erfuhren später, dass sie bespitzelt worden waren.
15 Sept 2026
2 – Die Entdeckung der Weltgesellschaft
Nach dem verunglückten Anfang wird Zürich ab 1966 zur Kaderschmiede der Schweizer Soziologie. Mit Peter Heintz wird ein Schüler des verschmähten René König auf den neu geschaffenen Lehrstuhl berufen. Der in Davos geborene Weltenbürger, der viel Lateinamerika-Erfahrung hat und für die UNESCO arbeitete, ist ein Glücksfall für die damals noch sehr provinzielle Schweiz. In Zürich entwickelt Heintz sein Konzept der «Weltgesellschaft». Er analysiert als einer der ersten die Globalisierung und arbeitet mit Forschenden aus den USA und anderen Ländern zusammen.
7 Sept 2026
1 – Die verhinderte Soziologie
Das Soziologische Institut an der Universität Zürich (SUZ) ist erst 60 Jahre alt – viel jünger als andere Lehrstühle, die oft über 100-jährig sind. Warum? Zwar hielten spannende Köpfe aus dem Ausland schon ab 1900 in Zürich Vorlesungen – doch im engstirnigen Umfeld der damaligen Zeit hatte ihre Weltoffenheit keinen Platz.
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