
WortMelder
Claim This Podcastby Andrea Radtke, Carmen Voigt und Aileen Pinkert, Universität Erfurt
Podcast Overview
<p>Jeden Tag suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Erfurt nach Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen. Im Wissenschaftspodcast WortMelder wollen wir ihnen auf den Zahn fühlen und mit ihnen über Themen sprechen, die uns alle angehen.</p>
Language
🇩🇪
Publishing Since
6/30/2021
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May 20, 2026
Teacher Well-Being: Lehrkräfte stärken heißt Schule stärken
<p>„Wir wollen doch, dass Lehrkräfte, denen wir unsere Kinder anvertrauen, ihr Bestes geben können“, sagt PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe.</p> <p>Der Lehrerberuf gilt als anstrengend, belastend, manchmal sogar als abschreckend. Über Lehrkräftemangel, Burnout oder Unterrichtsausfall wird regelmäßig diskutiert. Doch was passiert, wenn der Blick fast ausschließlich auf Überforderung gerichtet ist? Genau darüber spricht PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe in dieser „WortMelder“-Folge. Der Bildungsforscher beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Teacher Well-Being – also mit der Frage, wie Lehrkräfte langfristig gesund, motiviert und wirksam arbeiten können. Sein Ausgangspunkt dabei: Wohlbefinden bedeutet nicht einfach nur, Stress zu vermeiden.</p> <p>Es geht um die Frage, wie Schulen gestaltet sein müssen, damit Lehrkräfte gesund, motiviert und wirksam arbeiten können: Welche Rolle spielen Schulklima, Führung und psychologische Sicherheit? Warum entstehen viele Belastungen strukturell? Und wie können Schulen gemeinsam Routinen hinterfragen, um wieder mehr Raum für gute pädagogische Arbeit zu schaffen?</p> <p>Denn klar ist: Die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften sind immer auch die Lernbedingungen der Schüler*innen.</p> <hr /> <p>PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Erfurt School of Education an der Universität Erfurt. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich insbesondere mit dem Wohlbefinden von Lehrkräften – sowohl in der Ausbildung als auch im Berufsalltag. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit liegen im Mentoring und in der Professionalisierung der Lehrkräftebildung. Er ist Mitglied der Expert*innengruppe „Well-being at School“ der Europäischen Kommission. Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt er zuletzt den „Outstanding Paper Award 2024“ des Emerald Publishing für seinen und den bis heute noch meisten gelesenen Artikel über den Stand der Forschungsliteratur zum Thema Wohlbefinden und Mentoring angehender Lehrkräfte im Fachmagazin „International Journal of Mentoring and Coaching in Education“.</p> <p>Sein neues Buch „The Ultimate Guide to Teacher Well-Being“ findet ihr unter: <a href="https://www.emerald.com/books/monograph/21474/The-Ultimate-Guide-to-Teacher-Well-Being">https://www.emerald.com/books/monograph/21474/The-Ultimate-Guide-to-Teacher-Well-Being</a></p>

April 23, 2026
Iran-Krieg: Wie Desorientierung Medien und Politik in die Irre führt
<p>„Wir nehmen Trump immer noch viel zu ernst, statt die Tiefenstrukturen der Irrationalität seiner Politik klar freizulegen“, sagt Prof. Dr. Kai Hafez.</p> <p>Die aktuelle mediale Berichterstattung zum Krieg im Iran ist geprägt von Unsicherheit, offenen Fragen und widersprüchlichen Einschätzungen. Ob Waffenruhen halten, Verhandlungen zustande kommen oder politische Strategien überhaupt existieren, bleibt oft unklar. Diese Ungewissheit ist jedoch nicht nur Teil des Konflikts selbst – sie verweist auch auf grundlegende Probleme in Medien und Politik, sagt unser Gast dieser Podcastfolge – Prof. Dr. Kai Hafez, Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen und Kommunikationskulturen. Wenn es um Iran und den Nahen Osten geht, fehle es nur allzu oft an Einordnung, Kontext und einem tieferen Verständnis der Region. Im Gespräch analysiert Prof. Dr. Kai Hafez genau diese Defizite. Seine zentrale These: Der Westen leidet unter einer strukturellen Desorientierung im Umgang mit dem Nahen Osten. Medien berichteten oft fragmentarisch, orientierten sich stark an eigenen Interessen und staatlichen Quellen, ohne diese ausreichend zu hinterfragen. Gleichzeitig mangele es an Wissen, Expertise und historischer Perspektive – sowohl im Journalismus als auch in der Politik. Die Folge seien Fehleinschätzungen, die politische Entscheidungen beeinflussen und Konflikte verschärfen können, aber auch die Berichterstattung der etablierten Massenmedien in eine Schieflage bringen.</p> <p>Diese „WortMelder“-Folge beleuchtet, wie eng Medien, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander verwoben sind – und warum ihre jeweiligen Schwächen sich gegenseitig verstärken. Hafez kritisiert eine oberflächliche Berichterstattung („In diesen Kriegen auf Distanz reichen unsere Waffen tausende Kilometer weit, wir sehen aber nicht, was wir damit anrichten – genau dann sind die Medien in der Pflicht, diese Lücke zu füllen“), eine zu unkritische Außenpolitik und eine passive Öffentlichkeit. Gleichzeitig formuliert er konkrete Forderungen: Mehr unabhängigen Journalismus, stärkere internationale Expertise und eine aktivere demokratische Debatte. Deutliche Worte und eine Folge über Wahrnehmung, Macht und die Frage, wie informierte Urteilsfähigkeit in Zeiten von Krieg überhaupt möglich ist.</p> <hr /> <p>Prof. Dr. Kai Hafez ist Kommunikations- und Politikwissenschaftler mit einem besonderen Schwerpunkt auf vergleichender Medienforschung sowie globalen Kommunikationskulturen. Als Professor an der Universität Erfurt forscht und lehrt er zu Medien, Politik und Gesellschaft in internationaler Perspektive. In seiner wissenschaftlichen und beratenden Tätigkeit widmet er sich insbesondere Fragen von Migration, Islam und Medien, interkultureller Kommunikation sowie den Wechselwirkungen von Öffentlichkeit, Demokratie und globalen Transformationsprozessen.</p>

March 24, 2026
80 Jahre DEFA: Das unterschätzte Kino der DDR
<p>„Man sollte sich davon lösen, in jedem DEFA-Film nach versteckter Kritik am Staat oder der Partei zu suchen. Film hatte in der DDR auch die Funktion, zu unterhalten – und war nicht nur politisches Statement“, Prof. Dr. Michael Grisko. 80 Jahre Deutsche Film AG, kurz DEFA – ein Jubiläum und zugleich eine Einladung, ein filmisches Universum neu zu entdecken, das lange unterschätzt wurde. Ein abgeschlossener Korpus mit über 700 Spiel- und über 2.000 Dokumentarfilmen, in knapp 50 Jahren von der DEFA in der DDR produziert, der dazu einlädt, erforscht zu werden. Und doch ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung bis heute recht übersichtlich. Einer, der sich dagegen intensiv mit der Geschichte der DEFA beschäftigt hat, ist unser Gast dieser Podcastfolge – Prof. Dr. Michael Grisko, Honorarprofessor am Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft, der betont, dass die DDR wie jede Filmkultur Verflechtungen im Ausland hatte: „Die DDR war kein ‚closed shop’, sondern pflegte auch bei Filmproduktionen Kontakte ins westliche und östliche Ausland. (…) DDR-Geschichte ist auch immer eine Geschichte der kommunizierenden Röhren zwischen West- und Ostdeutschland. In einigen DEFA-Filmen zeigt sich deutlich die Auseinandersetzung mit westlichen Ästhetiken, Ideologien und Narrativen.“</p> <p>Im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Grisko wird schnell klar: Die DEFA war weit mehr als ein staatliches Filmstudio oder gar Propagandainstrument. Sie war ein komplexes kulturelles System – mit einem starken Fokus auf der Produktion von Kinderfilmen und Literaturverfilmungen, mit überraschend internationalen Verflechtungen. Wie war es Regisseur*innen der DDR möglich, zwischen ideologischen Vorgaben und kreativen Freiräumen, ihre Geschichten zu erzählen, wenn sie sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben wollten und mehr sagen wollten, als sie durften? Außerdem werfen wir einen Blick auf die Bedeutung von Drehorten, Archiven und dem kulturellen Gedächtnis: Wie wird aus einem Film Kulturerbe? Und warum entscheidet manchmal auch der Zufall darüber, welche Filme bleiben?</p> <hr /> <p>Prof. Dr. Michael Grisko ist Literatur- und Medienwissenschaftler mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Geschichte der DEFA. Als Honorarprofessor an der Universität Erfurt forscht und lehrt er zu Filmgeschichte und Erinnerungskultur. In seinen Publikationen, Ausstellungen und Projekten widmet er sich insbesondere den kulturellen und historischen Kontexten des DDR-Kinos.</p>
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