29 Oct 2026
FRANKFURT MARATHON DEBÜT: Anni vs. 42,2 km & all the feels
Annika ist Marathoni. Gestern Frankfurt, heute Montag, einen Tag danach – und die beiden sitzen zusammen, um das zu verarbeiten, was in den letzten 4:04 Stunden passiert ist.
Die Woche davor war nervig. Training erledigt, Form da, nichts mehr zu tun außer warten. Annika hat Karamellwaffeln für sich entdeckt, jeden Abend Nudeln gegessen, am Donnerstag 50 Minuten easy gelaufen und dabei die Uhr über die Jacke gezogen, weil sie keine Herzfrequenz sehen wollte. Am Samstag Startunterlagen mit Jette abholen, Pasta Party in der Festhalle, Outfit-Entscheidung am Morgen: kurze Hose, Sleeves, dünnes Shirt unter dem Race Top. Dann Sonntag.
Es hat geschüttet. Sekunde eins, klatschnass, Regen ins Gesicht, Pfützen überall. Annika lief die ersten fünf Kilometer in 5:37 im Schnitt – genau auf Plan für unter vier Stunden. Mit Berit zusammen, kontrolliert, keine Hektik trotz Startblock-Stress und Menschenmassen. Sieben Gels, jede Station Wasser, kein einziges Magenproblem. Bis Halbmarathon lief alles nach Plan. In Höchst, wo sie letzte Woche noch Ödnis befürchtet hatte, saßen Leute in ihren Höfen, tranken Aperol in der Sonne und machten Stimmung.
Bei Kilometer 27 konnte Annika auf einmal schlecht Luft holen. Nicht dramatisch, nicht gefährlich – aber unterschwellig genug, um den Kopf reinzuziehen. Die Pace ging auf 5:53. Bei 30 kam der erste Sechser-Kilometer, der 3:59-Pacer zog vorbei. Annika lief einen Kilometer mit, merkte: Zehn Kilometer in dem Tempo – no way. Ließ ihn ziehen. Goodbye. Von Kilometer 30 bis 38 kämpfte sie mit sich selbst, blieb bei 33 stehen, holte sich eine Umarmung, stoppte kurz die Uhr, lief weiter. Ihr Papa, ihr Bruder und ihr Freund standen abwechselnd mit dem Fahrrad an der Strecke. Ihr Vater kommentierte: Wer sich beschweren kann, dem geht es noch gut genug.
Bei 39 wusste sie: Das Ding kommt nach Hause. Sie lief zurück in die City, sah die Festhalle, musste noch vier Kilometer weg davon laufen – und beschloss, die letzten Kilometer zu genießen statt zu hetzen. Florence and the Machine auf den Ohren. An jeder Ecke bekannte Gesichter: Handballfreundinnen, Kolleginnen, eine Freundin die sie seit Jahren nicht gesehen hatte. Den letzten Kilometer hat sie geheult. Im Ziel wartete Jette, die sich reingeschmuggelt hatte, obwohl die Ordner sie weiterschicken wollten. Umarmung. Berit kam wenig später. Alle drei: nie wieder. Und alle drei wissen: nächstes Jahr wieder.
Smilla saß in der Schweiz, iPad unterm Arm, hat den Tracker verfolgt und zugesehen, wie Annika ab Kilometer 26 in jedem Split Hunderte Läufer überholte. Nächste Woche erzählt sie von ihren Tests und dem Season-Aufbau unter Louis. Für Annika steht eine Woche ohne Laufen an. Mindestens.
Amanal Petros und Blanka Dörfl haben vorne Zeiten geliefert, die bei diesem Wetter niemand erwartet hat. Annika versteht jetzt, was das bedeutet – bei 2:58er Pace um eine Kurve geschossen zu werden, bei der Zuschauer mit dem Rücken zur Strecke stehen. Respekt vor dieser Distanz hat sie vorher gehabt. Jetzt weiß sie, warum.